USA Teil 2

   

 Wir fuehlten uns wie zu Hause bei Yermo. Gemeinsam reparierten Thomas, Yermo und Ryan die Honda, denn nachdem nun meine BMW lief, musste an Thomas Africa Twin der Service gemacht warden. Ausserdem war beim Fahren immer ein Knallen im Auspuff zu hoeren und so wollte uns Yermo nicht weiterfahren lassen, also verbrachten die beiden den ganzen Samstag damit, die Ventile der Honda einzustellen und die beiden Vergaser zu synchronisieren und ich hab Hausfrauenarbeit erledigt. Unglaublich, die beiden Maenner standen von frueh um 6.30 Uhr bis abends 19.00 Uhr in der Werkstatt, um das Motorrad zu reparieren.

        

Yermo hatte extra am Abend zuvor seinen Freund Ryan gefragt, was man bei dem Problem mit dem Auspuffknallen tun muesse und wie man es beseitigen koenne, so dass sich Ryan sofort anbot, am naechsten Morgen fruh um 6.30 uhr vorbeizukommen, denn er kannte sich zumindest mit dem Motor der Honda aus. Was fuer eine Hilfsbereitschaft. Ich konnte es nicht glauben, wir kannten Yermo gerade ein paar Stunden und er gab uns ein Dach ueber dem Kopf, ein weiches Bett, Essen, Trinken und seine Zeit um das Motorrad von Thomas zu reparieren und mobilisierte seine Freund um uns zu helfen. Da Yermo “deutsch” erzogen wurde (seine Eltern waren Deutsche) erfuhren wir von ihm recht gut einige Unterschiede zwischen den Systemen z.B. das Krankensystem und wir erfuhren einiges ueber die amerikanische Lebensart. Der Abschied nach knapp 5 Tagen viel uns richtig schwer, denn wir hatten das Gefuehl uns von einem Freund zu verabschieden.

Dennoch wir waren wieder unterwegs in Richtung Skyline Drive. Das ist eine superschoene Strasse durch den Shenandoah National Park.

     

     

Vom Skyline Drive fuhren wir in den sogenannten Blue Ridge Parkway. Eine super kurvenreiche Strasse auf den Mountains, wunderschoene Aussichtspunkte zu beiden Seiten und die bunten Baeume saeumten   bereits die Strassen.

      

Die Natur unbeschreiblich schoen und beeindruckend. Wir haben den Beginn des Herbstes erlebt, je laenger wir in Virginia auf dem Parkway fuhren, desto bunter wurden die Blaetter der Baeume und Straeucher, von gruen zu gelb und zu rot und nachts wurde es deutlich kuehler.

    

Als wir auf der Raststelle anhielten, um ein wenig “Natur” zu fotografieren, wurden wir wieder einmal selbst zur Hauptattraktion, wir wurden fotografiert und jeder wuenschte uns eine gute Reise. Ich freu mich dann schon immer, wenn sie wissen, wo Deutschland oder sogar die Schweiz liegen, denn wohlgemerkt nicht alle wissen das

Von Virginia fuehrt der Blue Ridge Parkway  nach North Carolina.

      

 

Wir sind einen Tag vom Blue Ridge Parkway heruntergefahren, denn wir wollten mal wieder an einem See uebernachten, wo es nicht ganz so kalt wird, denn auf dem Blue Ridge Parkway wurde es mitunter recht kalt. Wir sind also in Nebu am Lake James gelandet sind, vorher wollten wir noch fuer den Abend eins, zwei Bierchen kaufen, doch wieder ein neuer Bundesstaat, neue Erfahrung. Es war 11.45 Uhr, als wir an der Tankstelle anhielten, um zu tanken und Bier zu kaufen. Das Gesetz in North Carolina sieht allerdings vor, dass am Sonntag (es war leider Sonntag) kein Alkohol vor 12.00 uhr Mittags verkauft werden darf. Ja, wirklich in einem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten, wo man angeblich 24 h alles bekommen kann, was man will, bekommt man um 11.45 Uhr kein Bier. Also kam Thomas aus der Tankstelle wieder heraus, wir warteten 15 min. und Thomas ging wieder hinein um unser Bier zu kaufen. Darueberhinaus lernte Thomas, dass er als Kaeufer nicht einfach so das Bier aus dem Schrank nehmen darf, sondern nur der Verkaeufer, in seinem Fall eine unfreundliche Verkaeuferin. Alles andere ist gesetzwidrig. Unglaublich, ich konnte meine Ohren nicht trauen, Thomas erklaerte mir dann im nachhinein, dass die 12.00 Uhr Sperre dafuer da war, dass alle vorher in die Kirche gehen.

Was fuer Widersprueche in diesem Land! Erst brav in die Kirche gehen,um Gottes Gnade bitten und dann sich die Birne zusaufen?! Die Widersprueche ziehen sich durchs ganze Land, in Suedcarolina und Georgia gibt es soviele Kirchen, das ist unglaublich. Jedes noch so kleine Dorf, sei es auch nur aus 5 Haeusern bestehend, hat einen Kirche und diese ist meist in besserem Zustand als der Rest des Dorfes. Dennoch darf man in Georgia Sonntags gar kein Alkohol kaufen. Dummerweise war es wieder einmal Sonntag, als wir den Versuch unternahmen uns ein Feierabendbier zu kaufen und die Verkaeuferin uns anlaechelte. Alle Amerikaner kaufen Samstag spaetabends ihren gesamten Alkohol, damit sie am Sonntag nicht vor dem gleichen Problem stehen wie wir. In Florida gibts T-Shirt mit Anti-Bush Slogans, wie folgt, Bush Senior und Bush Junior nebeneinander mit der Aufschrift: “ Dumm, Duemmer!” oder Bush Junior und folgender Spruch darauf: “ Ich bin nicht wirklich der Praesident, ich spiele nur einen am Fernseher!” Da frag ich mich doch wirklich, wer hat ihn denn gewaehlt? Bisher haben wir nur Personen getroffen, die nicht gerade positiv ueber ihren Praesidenten gesprochen haben…. Der Blue Ridge Parkway fuehrte uns direct in den Great Smokey National Park mit wunderschoenen Kurven.

    

    

Leider gibt’s fuer den Great Smokey National Park nur eine Durchfahrt mit dem PkW, aber wenn man zu Fuss oder mit dem Rad unterwegs ist, gibt es viele Moeglichkeiten die Schoenheit wirklich hautnah zu erleben. Wir waren auf dem Weg zum Deal’s Gap, was Yermo uns empfohlen hatte. 318 Kurven in 11 Milen. 1 Mile entspricht 1,6 km also eine ungefaehr 18 km lange Kurvenstrasse. Diese Strecke wird auch der Drache genannt, denn die Kurven aehneln dem Umriss eines solchen und sind durchaus gefaehrlich, wenn man sich, sein Motorrad oder seine Geschwindigkeit ueberschaetzt. Leider gab es auf dieser Strecke auch schon tragische Todesunfaelle, aber wir waren dennoch gespannt, was uns da erwarten wuerde. Da wir von Richtung Tennessee auf die Route 129 fuhren, waren wir auf einmal auf der Kurvenstrasse ohne dass wir es tatsaechlich vorher lesen konnten. Nur die ganzen Motorradfahrer liessen uns erahnen, dass wir bereits auf der Strecke waren. Als eine Kurve nach der naechsten kam, war es mir dann auch bewusst, dass wir bereits vollbeladen wie wir fahren, auf dem Drachen fuhren. Und ich war froh, als wir ohne zu stuerzen am Deal’s Gap Resort ankamen. Dort war die Hoelle los, Motorraeder wohin man nur schaute, leider keine Travelbikes, sondern nur Harleys und Rennmaschinen. Wir waren wieder einmal die Ausnahme. Francois vom Resort Team ließ uns umsonst auf dem Campground uebernachten. Machte auch nichts, da wir die einzigsten waren, die im Zelt schliefen, der Rest naechtigte im Deal’s Gap Resort Motel.

  

  

Am Tag zuvor war leider das rote Laempchen meiner Kuehlung wieder erschienen, der Fluessigkeitsbehaelter leer und wir waren wieder am verzweifeln. Wir fragten Ben vom Deal’s Gap nach dem naechsten Haendler oder Mechaniker und er rief sofort seinen Freund Ken Wheelers an. Wir ueberlegten, ob wir Rick von Bob’s BMW anrufen sollten, aber wir waren bereits wieder 1500 km gefahren und Rick, wie wir wussten, in Europa in den Ferien. Also vertrauten wir auf Ben, der uns zu Wheelers 16 Milen weiter in der Naehe von Robbinsville schickte und Ken konnte uns helfen, 30 min. und er hatte unser Problem erkannt und beseitigt. Der Schlauch zwischen Kuehlfluessigkeitbehaelter und Ausgleichsbehaelter war verklemmt, scheinbar falsch beim Motorausbau wieder zusammengebaut. Dadurch konnte beim Fahren zwar die Kuehlfluessigkeit, die sich erwaermt und ausdehnt aus dem Behaelter heraus, aber nicht wieder zurueckfliessen. Der Behaelter wird leer und die Warnleuchte der Kuehlung geht an. … Mit repariertem Motorrad sind wir dann den Drachen nocheinmal gefahren und dieses mal ohne Gepaeck. Da konnte ich die Kurven richtig geniessen. Wir verbrachten 3 angenehme Tage am Deal’s Gap, hatten interessante Gespraeche mit Ben, Francois und anderen Motorradfahrern  und zu Guter letzt haben die Maedels vom Resort Team unsere Waesche gewaschen und fein saeuberlich ins Zelt zusammengelegt.

Wir verabschiedeten uns am Samstag morgen von Ben und fuhren weiter zum Cherohala Skyway, noch eine dieser schoenen kurvenreichen Strassen entlang eines Flusses.

    

Wir wollten an diesem Abend auf dem Campground von Murphys State Park uebernachten. Als wir ankamen, waren wir die einzigsten dort und wir freuten uns ueber die Ruhe. Kaum hatten wir jedoch das Zelt aufgebaut, sah ich Thomas nur noch um sich schlagen und wurde in dem Moment selbst von zwei gelben Bienen gestochen. Es tat richtig weh, aber mir ging es gut. Thomas hatte sich hingesetzt, weil es ihm schwindelig wurde. Eh ich mich versah, lag er auch schon auf der Treppe, ich hoerte nur noch meinen Namen, lief zu ihm und versuchte ihn in die Seitenlage zu bringen, was mir nicht wirklich gelang, da er quer auf der Treppe lag und kein T-Shirt anhatte. Gott sei Dank hat Willymay meine Hilfeschreie gehoert und kam mit ihrem Ehemann Hepp vorbeigefahren. Die beiden betreuen den Campingplatz ueber die Sommerzeit und sie haben den Notarzt gerufen. Innerhalb von ein paar Minuten waren bereits die ersten 2 Helfer da, dann kamen noch 2 und wenig spaeter kam der Krankenwagen mit zwei weiteren Sanitaetern. Im Krankenhaus wurde Thomas dann eine Art “Gegenmittel” gegeben, denn er hatte auf die Bienenstiche, 4 Stiche um genau zu sein, allergisch reagiert und sein Kreislauf ist zusammengebrochen. 3 Stunden spaeter konnte ich ihn wieder abholen. In der Zwischenzeit hatte ich das Zelt und unsere Sachen zusammengepackt und ein Motelzimmer besorgt. Sie wollten Thomas einfach nicht die Nacht im Krankenhaus behalten, also musste er sich auf mein Motorrad setzen und zum ersten mal als mein Sozius  fungieren. Am naechsten Tag fuhren wir zum Walmarkt, um die Medizin fuer ihn zu besorgen, als wir auf dem Parkplatz von Jerry angesprochen wurden. Jerry und seine Frau Ann luden uns gleich zu sich nach Hause zum Lunch ein und wir haben gelernt, fuer solche Begegnungen offen zu sein. Obwohl wir an diesem Tag weiterfahren wollten, verbrachten wir den Mittag und Nachmittag im Haus der beiden, haben lecker gegessen und Geschichten erzaehlt. Gegen Spaetnachmittag haben sie uns dann zum Highway begleitet und wir sind wieder unterwegs gewesen.

    

Wir haben zwei Tage im Vanhock State Park verbracht, Thomas hat sich erholt und schon waren wir wieder auf dem Weg zum naechsten Bundesstaat, South Carolina.

In Calhoun Fall fanden wir einen superschoenen Platz zum Campen am Richard Russel Lake, doch wir waren wieder allein und mir steckte die Angst der letzten Erfahrung noch in den Knochen.

Dennoch schlugen wir unser Lager auf und schliefen etwas unruhig. Am naechsten Morgen kam dann die boese Ueberraschung, die Motorraeder waren zur Ameisenstrasse geworden und es war sehr muehsam, diese wieder zu entfernen. Wir fuhren den ganzen Tag durch South Carolina in Richtung Kueste. Edisto Beach war unser Ziel.

Allerdings kommen einem waehrend der Fahrt immer die merkwuerdigsten Gedanken. Als wir mit stetiger Geschwindigkeit die endloslangen Strassen mit Wald links und rechts durch diese  Gegend fuhre, war ich immer wieder ueberrascht, wenn eine Einfahrt ins nichts fuehrte. Einfahrt ist vielleicht auch zuviel gesagt, eher eine Schotterpiste, wo am Anfang ein Briefkasten steht und man vermutet, dass am Ende dieser Strasse ein Haus oder Palast versteckt ist. Sehr viel vom Grundstueck hat man nicht gesehen, nur eine Art Strasse. Und es kam mir staendig die Vermisstmeldungen von jungen Maedchen und Kindern in den Sinn, die ich nun seit Wochen in den Supermaerkten oder in der Post ausgehaengt sehe und es wuerde mich nicht verwundern, wenn in einem dieser Haeuser versteckt im Wald eines dieser Kinder hier irgendwo waere…und niemand wuerde etwas mitbekommen, denn wen juckt es was macht der nachbar macht… die Entfernungen hier sind jedenfalls so gross, dass mehrere Familien auf so einem Grundstueck leben koennten.  Naja, Edisto Beach war jedenfalls unser Ziel. Edisto Island ist eine von vielen kleinen Inseln, die suedlich vn Charleston durch Gezeitenlagungen und Suempfen voneinander getrennt sind. Herrlich endlich wieder Meeresluft zu riechen und zu spueren. Was fuer ein Glueck und was fuer ein Sonnenuntergang, fast Vollmond und ich hab mich nach einer durch Waschbaeren gestoerten kurzen Nacht gezwungen, zeitig aufzustehen, um den Sonnenaufgang am Strand zu geniessen.

       

       

Die Waschbaeren kamen am Spaetabend und haben uns unser Fruehstueck und Fruechte geklaut. Bis in die fruehen Morgenstunden konnten wir nicht schlafen. Das ist die Natur, den einen Morgen Ameisen ohne Ende, die naechste Nacht Waschbaeren. Aber wir haben die Morgenstunde genusst und sind in noch ertraeglichen Temperaturen die Kueste weiter entlang gefahren. Richtung Georgia. Wir fanden einen schoenen Ort in Georgia, Fort McAllister, wo wir kurzerhand drei Tage blieben und einfach nur relaxten.  

Und endlich haben wir Anfang Oktober Florida erreicht. Vielleicht doch zu frueh, denn der Sunshine State begruesste uns mit Regen, Regen und noch mehr Regen. Wir fuhren den ersten Tag, und wirklich den ganzen Tag, nur im Regen. Wir waren durchnaesst bis auf die Knochen und haben nach drei Stunden suchen, ein Hotel gefunden. Dieses mal wollte ich das Zelt nicht im Regen aufbauen, mit nassen Klamotten im Zelt sitzen und hoffen, dass es nicht durchnaesst, denn von dem Zelt von “Robens” bin ich wirklich enttaeuscht. Nicht nur das nach knapp 4 Wochen zwei der drei Zeltstangen bereits zerbrochen waren und repariert werden mussten, nein es ist auch nicht so wasserdicht, wie es angepriesen wird. Wir hoffen nun, es regnet nicht so viel bis Mexiko, so dass wir uns dann im Fruehjahr ein neues Zelt kaufen muessen. Am naechsten Tag hatten wir mehr Glueck und ich konnte an der Kueste das erste mal im Strand Motorradfahren und es hat Spass gemacht!!!