USA West Teil 2

Nach einem gemuetlichen Abend gemeinsam mit Kent, Margery und ihren Kindern, holte uns am naechsten Morgen sein Freund Tom mit seinem Auto und Anhaenger ab. Wir luden die Motorraeder auf und Tom fuhr uns, ganz selbstverstaendlich, 1 Stunde von Provo nach Nord Salt Lake City, wo wir die BMW beim BMW Haendler entluden und uns verabschiedeten. Es sollte jedoch nicht unser letztes Treffen mit Tom werden. Tom liess uns ganze zwei Wochen in seiner Huette im Provocanyon uebernachten und organisierte ein Barbecue Abend mit Freunden. Unglaublich mit welcher Selbstverstaendlichkeit und Herzlichkeit wir als Fremde aufgenommen wurden und wieder interessante Bekanntschaften machten. Immer mehr wird mir bewusst, wie gluecklich wir eigentlich sind und wir sind dankbar darueber, dass wir die Moeglichkeit haben, all diese wunderbaren, total unterschiedlichen Menschen kennenzulernen und Zeit mit ihnen zu verbringen.

Die BMW war aber erstmal beim Haendler. Sie sollten herausfinden, warum sich die Kuehlfluessigkeit schon wieder verselbstaendigte und wir cremigweisses Oel feststellten. Leider war der BMW Haendler in Salt Lake nicht gerade besonders kundenfreundlich und kompetent, sodass wir nach 4 Tagen warten und mehrmaligen Anrufen, am Samstag selbst hinfuhren und mit der BMW eine Probefahrt machten, um dem Mechaniker zu zeigen, dass wir uns die Probleme nicht einbildeten und ein weiterfahren mit der BMW in dem Zustand moeglicherweise noch weiteren Schaden zufuegen wuerde. Da der Mechaniker bei BMW keinen Mangel feststellen konnte, hatten sie uns erstmal ihre "Leistung" nicht in Rechnung gestellt. Wir fuhren also mit der BMW zum Antilope Island State Park, noerdlich von Salt Lake City, und als wir zwei Stunden spaeter zurueck zum Haendler kamen, entfernten wir die Verkleidung und kontrollierten den Kuehler, siehe da - die Kuehlfluessigkeit war weg! Ploetzlich meinte auch der Mechaniker, oh je, da ist etwas am Motor kaputt! Hallo?! ... das haben wir seit 5 Tagen versucht zu erklaeren... wer ist denn hier der Mechaniker? Naja der Service Manager erstellte uns dann einen Kostenvoranschlag fuer den schlimmsten Fall und das bedeutete Wechseln der Zylinderkopfdichtung, Ventile, einen Teil des Zylinders, da er ja bereits in Kanada einmal begradigt worden war und nicht nochmal abgeschliffen werden konnte... mit Wasserpumpewechsel, Wechsel der Lenkkopflager, Ersatz der alten Batterie und neuer Kette, waere es auf eine Rechnung von mehr als $ 4000 gekommen... und dann haetten wir immer noch die BMW, die uns seit Beginn diese Probleme bereitete und so schwer selber zu reparieren ist! Wir entschlossen uns nach langem Hin und Her, das Geld in ein neues Motorrad fuer mich zu investieren, anstatt auf die BMW Reparatur zu hoffen. Schliesslich wollen wir nach Suedamerika und wenn wir da einmal festsitzen mit Problemen mit der BMW wird es noch schwieriger...wir fuhren ein wenig herum und fanden eine neue Kawasaki KLR 650. Ein bischen Handeln und mit Hilfe von Kent und Margery, dessen Adresse wir fuer die Registrierung verwenden konnten, hatte ich zwei Tage spaeter ein neues Motorrad!!! Wir nutzten die Zeit zur Abwicklung aller Formalitaeten, indem ich in der Bibliothek meine emails las und schrieb und Thomas an seiner Honda seine Kette wechselte... damit war auch endlich das laestige Klakken beim Fahren nach Wochen des Raetselns, was es denn sein koennte, behoben und wir fuhren am 27.05. weiter in Richtung Norden. Uns blieben nur noch knappe 4 Wochen, bevor unser Visa wieder auslief. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht fuhr ich hinter Thomas durch die Berge nach Boise, wo wir bei Lise Lotte eingeladen waren.Vorbei an herrlichen Skigebieten in Ketchum und Sun Valley, Idaho. Auf dem Galena Pass war es so kalt, dass ich meinen kleinen Finger nicht mehr spuerte und mir fehlte die Griffheizung der BMW...mit Stop und einem lauwarmen Kaffee in einem kleinen Restaurant am Strassenrand, kamen spuerte ich meine Finger wieder und wir fuhren bis nach Boise. Lise hatten wir bereits in Alamos, Mexiko, kennengelernt und freuten uns auf das Wiedersehen. In Boise konnten wir die Kawasaki noch mit dem noetigen reisetauglichen Sturzbuegeln und Motorschutz von Happy Trails ausstatten und merkten, dass die Kawasaki morgens nicht richtig anspringen wollte. Sollte ich wieder Pech mit dem Motorrad haben? Aber wir hatten ja Garantie und wuerden sobald als moeglich zur naechsten Kawasakiwerkstatt fahren. Erstmal fuehrte uns unser Weg von Boise durch den Osten von Oregon suedlich nach Kalifornien, wir wollten uns den Lassen Vulcanic National Park anschauen und hatten nicht damit gerechnet, dass es auch in Kalifornien noch so kalt und voller Schnee sein wuerde, aber der Park liegt auf knappe 2000 m und wir froestelten, als wir ueber die kurvenreiche Passstrasse im Nationalpark fuhren. Nichtsdestotrotz, was fuer eine Natur, ich musste trotz eisiger Kaelte anhalten und ein paar Fotos machen. So wie sich das Wetter von Kaelte zu 25 grad und Sonnenschein aenderte, wechselte auch die Natur, als wir auf dem Highway 36 im Norden von Kalifornien unsere Kurven fuhren. 140 Milen Kurven, was will ein Motorradfahrerherz mehr :-)! Als wir an der Kueste ankamen, sahen wir auch schon die ersten grauen Wolken... das fing ja schon gut an, hatten wir doch soviel von der Oregonkueste gehoert und dann sollten wir sie wieder im Nebel sehen, wie die Kueste von Nova Scotia letztes Jahr? Im Nieselregen und mit grauem Himmel fuhren wir auf dem Kuestenhighway 101 entlang in Richtung Norden, durch den Redwood National Park und mussten am Abend unser Zelt wieder im Regen aufstellen. Kurzerhand blieben wir in Brookings, an der Oregonkueste uebers Wochenende und warteten den Regen ab! Am darauffolgenden Montag ging es leider doch wieder im Nieselregen weiter noerdlich, wir waren bei James und Susan in Seal Rock eingeladen. James und Susan trafen wir auf der Baja California, als sie mit ihrem ausgebauten Van auf den Weg in die Berge waren. Durch die Berge ging es fuer uns auch in Richtung Seal Rock, denn wir wollten nicht nur die Haupttouristenroute fahren...auf Schotterpiste, einer alten Waldstrasse mit umgefallenen Baumstaemmen und heruntergestuertzten Felsbrocken, fanden wir unseren Weg nach Norden und wurden auch von James herzlich empfangen. Unglaublich, wir haben mit diesen Menschen meist nur ein paar Stunden, einen Abend verbracht und fuehlen uns empfangen wie Freunde. Die naechsten Reifen fuer die Honda waren bestellt und so warteten wir auf die Lieferung, bevor wir nach 5 abwechslungsreichen Tagen mit James wieder aufbrachen und in Richtung Inland fuhren. Wir hatten von Jack aus Florida den Tip bekommen, dass dort ein Motorradreisetreffen ist und wir waren neugierig geworden. Als wir in Westfir am Samstag ankamen, wurden wir herzlich von den Gastgebern, Eric und Gail empfangen und eingeladen, ein paar Tage laenger zu bleiben und mit ihnen ein wenig die Gegend zu erkunden. Bei einem Glaeschen Wein und gutem Essen konnten wir unsere Erlebnisse austauschen,denn die beiden sind Anfang der 90er Jahre zu zweit auf ihrer BMW quer durch Russland nach Finnland gefahren. Unglaublich und so schoen, zu sehen, dass wir nicht die einzigsten mit solchen Traeumen und nun Erfahrungen sind! Mit Eric fuhren wir nach Eugene, konnten die Reifen fuer die Honda montieren lassen und der Kawasakihaendler korrigierte den Dekompressionslevel an meiner KLR, in der Hoffnung es wuerde das Starterproblem beseitigen. Es half auch, jetzt brauchte ich nur 5 und nicht 25 mal fruehmorgens versuchen, die KLR anzulassen,bis sie schliesslich langsam warm lief! Wir fuhren am Donnerstag weiter und wollten ueber den Newberry Vulcanic National Monument in Richtung John Day zu einem BMW Treffen fahren. Wir waren mit Eric und Gail am naechsten Morgen in Prinville, auf halber Strecke verabredet, denn im Gegensatz zu den beiden, sind wir langsame Reisende und fahren nicht 600km an einem Tag. In Prinville hatte uns Steve per email eingeladen. Wer haette ahnen koennen, dass ich an diesem Tag noch einen Unfall haben wuerde. Wir fuhren eine super schoene Kurvenstrasse durch den Newberry Park, leider war die Offroadstrecke wegen Schnee geschlossen und wir mussten zurueck auf den Highway 97, um nach Norden zu fahren. Kurz vor Bend in Oregon passierte dann auch das Unglueck, der Schlauch meines hinteren Reifens platzte. Ich hab das Platzen selbst gar nicht mitbekommen, denn wir fuhren auf dem Highway mit 80km/h, als ploetzlich mein Hinterrad nach links wegschlitterte, ich hielt dagegen und dasselbe auf der rechten Seite. Die Autofahrer hinter mir sahen, wie ich darum kaempfte, das Motorrad aufrecht zu halten und nach 4 oder 5 mal hin- und herschlingern, lag ich auch schon im rechten Seitengraben. Mein schoenes neues Motorrad war schon wieder kaputt... voller Kratzer, kaputter Spiegel und meine Taschen lagen verstreut auf dem Boden. Die Fragen der netten Familie und einem netten Truckfahrer nach meinen Verletzungen konnte ich gar nicht richtig beantworten, denn meine groesste Sorge galt meinem neuen Motorrad. Nach 5 Minuten kam Thomas dann auch auf dem Seitenstreifen langsam zurueckgefahren. Hatte ich ihm schon wieder fast einen Herzinfarkt verursacht, nachdem ich ploetzlich im Rueckspiegel verschwunden war? Wir hatten Glueck, ich lebte noch, stand auf meinen beiden Beinen und zumindest keine Knochen gebrochen... aber mein Motorrad... bei einem genaueren Blick sahen wir, dass der Reifen platt war. Das war also der Grund meines Sturzes? Steve, der Truckfahrer war so freundlich und hilfsbereit und hat mich und mein Motorrad im Truck zur naechsten Werkstatt nach Bend gefahren und dort brauchten die Mechaniker 3 Stunden, um den Kuehler zu reparieren, der kaputt war, den Reifen zu wechseln und meinen Blicker und Spiegel halbwegs zu fixen, dass wir weiterfahren konnten, denn schliesslich wartete Steve in Prinville auf unsere Ankunft. Als unser Mechaniker den Schlauch aus dem Reifen nahm, waren wir erstmal sprachlos, denn er war nicht durch einen Stein oder Nagel zerstoert worden, sondern es war ein glatter Schnitt und sah aus, wie mit einem Messer zerschnitten... noch nie hatte er sowas gesehen und war erstaunt, dass ich noch lebte, wenn der Schlauch bei so einer Geschwindigkeit geplatzt war...Wir wussten, wir mussten nun mit Kawasaki sprechen, denn wir hatten das Motorrad ja erst vor 3 Wochen gekauft und gerade erstmal 2000 Milen gefahren. Aber erstmal mussten wir weiter...

Mit etwas mulmigen Gefuehl und der staendigen Angst, der neue Reifen koennte platzen und ich wieder stuerzen, fuhren wir in den Abend hinein nach Prinville und dort fing Thomas an, mit Ducttape die restlichen Spuren des Sturzes zu beseitigen. Am naechsten Tag trafen wir Eric und Gail und fuhren gemeinsam nach John Day zum BMW Treffen, wo wir ebenfalls herzlich empfangen wurden und nun unsere Geschichte oefters erzaehlen mussten. Wir verbrachten ein tolles Wochenende im Kreise etlicher Motorradfahrer und machten nette Bekanntschaften. Als wir uns am Sonntag wieder verabschiedeten, kam ein Paar auf uns zu und fragte: " Seid ihr Thomas und Andrea? - ja - "you can ride, butyou can't hide!" (ihr koennt fahren, aber euch nicht verstecken) Es waren Bruce und Lyn aus Newport, mit denen wir in der Woche in Westfir kurz telefoniert hatten, sie kamen und uebergaben uns $25, die sie von Jack aus Florida gesandt bekommen hatten. Jack hatte unsere Reise verfolgt und wollte uns etwas ueberraschen, schrieb mir eine email, wir sollten auf eine geheime Mision gehen und zu einer bestimmten Adresse in Newport fahren und nach Bruce fragen. Wir hatten in der Woche in Seal Rock, in der Naehe von Newport, aber keine Zeit unsere Mision einzuhalten. Also suchte uns Bruce und fand uns eine Woche spaeter auf dem BMW Treffen in John Day! Jack!!! Kontaktiert einen wildfremden Menschen quer ueber den Kontinent, schickt ihm Geld, dass dieser wiederum ihm wildfremde Menschen zum Bier oder Kaffee einladen soll. Wir waren und sind immer noch sprachlos! Und wir haben die $ 25 gut angelegt :-) Danke!

Auf dem BMW Treffen lernten wir Andrea und Tony kennen und wir fuhren den naechsten Tag gemeinsam nach Norden zum Columbia River und verbrachten einen letzten gemeinsamen lustigen Abend mit Barbecue auf einem Campingplatz in Washington State. Unser naechstes Ziel war ein Kawasakihaendler, der erste in Yakima war montags geschlossen, also fuhren wir weiter ueber den Mount Rainier National Park nach Enumclaw, wo uns der Service Manager Jeff half, einen sogenannten Safety Claim gegenueber Kawasaki zu erklaeren. Wir zeigten den Schlauch und erklaerten kurz die Geschehnisse des Unfalls und die erste Reaktion von Kawasaki, tut uns leid, aber nicht unsere Schuld, ein Schlauch kann platzen,wenn er zuwenig Druck hat... mit der Hilfe von Jeff und dem Eigentuemer Clem von Kawasaki Enumclaw ueberzeugten wir Kawasaki, das die Art, wie der Schlauch geplatzt ist, nicht normal ist und nicht von zu wenig Druck kommen kann. Zwei Tage spaeter erklaerte sich Kawasaki USA bereit, uns die Plastikteile und den Kuehler auf ihre Kosten zu ersetzen, jedoch nicht den Helm und die kaputte Jacke. Da unser Visa auslief, nahmen wir die Faehre von Port Angeles am 28.06. nach Victoria auf Vancouver Island. Wir waren dankbar und erfreut, dass uns am Hafen in Victoria Paul mit seiner KTM empfing und wir die naechste Woche bei Paul, Guylaine und ihren Kindern Emilie und Gabrielle verbringen konnten. Nach mehreren Telefonaten konnte Paul unseren Ansprechpartner Tim bei Kawasaki davon ueberzeugen, dass sie uns nun auch noch den Helm und meine Jacke ersetzten und diese nach Vancouver lieferten. Unsere Zeit in den USA, 3 Monate, waren wieder vorbei... sie vergingen wie im Flug. Von unserem ersten Hamburger nach 3 Monaten Mexiko in Kalifornien bis zur letzten Coca Cola in Washington waren es Wochen und Monate, die unterschiedlicher nicht haetten sein koennen. Wir sahen die Wueste in Kalifornien, Sand- und Steinskulpturen in Utah, Schneebedeckte Berge in Idaho, Kueste und gruene offene Weideflaechen in Oregon und Waelder im Westen von Washington. Windstuerme im Death Valley, Hitze und abwechselnd Kaelte und Schnee in Utah und Idaho, Regen und Sonnenschein in Oregon... und so viele unglaublich hilfsbereite aufgeschlossene Menschen... mit einer Selbstverstaendlichkeit, die wir in Deutschland oft vermissen... nun sind wir bereits wieder in Kanada und sind gespannt auf die Erlebnisse der naechsten 2 Monate, bevor wir unsere Motorraeder nach Suedamerika verschiffen.