Mexiko Teil 2

Noch etwas muede und schlapp fuhren wir von Puerto Arristo am 1. Februar weiter. Wir hatten ein paar Medikamente gegen den Durchfall in einer Apotheke besorgt und dann ging es in Richtung Oaxaca City. Leider wirkten die Tabletten nicht so, wie sie sollten und wir mussten staendig anhalten wegen mir?

Nachdem wir endlich in Oaxaca City anekommen waren, zwaengten wir uns 2 Stunden durch den Verkehr, um zum Hostel zu gelangen, dass dann leider ueberfuellt war und das naechste Hostel hatte keine Parkmoeglichkeit. Zudem brauchte man fuer die Hostel eine Reservierung. Bei der heutigen all-online-Society sollten wir uns eigentlich nicht wundern, dass der moderne Backpacker nicht aufs gerade Wohl in die Stadt faehrt, sondern vorher online seine Unterkunft reserviert? Hallo Weltreisende - wo bleibt eure Spontanitaet! Resigniert verliessen wir Oaxaca City wieder und schliefen wieder einmal in einem Stundenhotel.

Am naechsten Tag ging es weiter durch die Berge, die eher einer Steinwueste aehnelten, rote, gelbe und weise Sandstrukturen, die sich im Laufe der Jahrtausende gebildet hatte. Felsen und Kakteen, die Cardonkakteen, die groessten der Welt. Einzelne Stengel, die nebeneinander aus der Erde spriessen und ganze Formationen, die wie Baeume aussehen. Es sieht richtig sureal aus, wenn man mit dem Motorrad in kurvigen Strassen daran vorbei faehrt. Leider mussten wir unsere Blicke allerdings immer wieder auf die Strasse richten, anstatt auf die atemberaubende Natur, weil so viele Schlagloecher und Topes (Geschwindigkeitsbeschraenkungen auf dem Boden) sich auf den Strassen befinden, dass man tierisch aufpassen muss, nicht staendig die Federung des Motorrads zu sehr zu beanspruchen.

Auf der Strasse in Richtung Teloloapan war ploetzlich Stau und das Auto vor uns fuhr beinahe in den stehenden Verkehr auf. Mit quietschenden Reifen konnte ein Aufprall verhindert warden? unmoeglich die mexikanische Fahrweise? vorausschauendes Fahren, was ist das? Naja jedenfalls fuhren wir an der Schlange vorbei und sahen vor uns die Ursache des Staues. Ein Bus war links in die Boeschung hinab gestuerzt und die Polizei und 3 Kraene versuchten, ihn an duennen Seilen nach oben auf die Strasse zu ziehen. Ich bemerke, sehr duenne Seile, denn wir dachten nicht wirklich, dass die mexikanische Methode der Bergung erfolgreich waere, aber nach 2 Stunden warten, war der Bus zumindest schon mal quer auf der Strasse und wir konnten uns mit den Motorraedern daran vorbeischlaengeln. Das war auch nicht der erste Unfall, den wir hier in Mexiko gesehen haben, aber auch kein Wunder bei der mexikanischen Fahrweise: "?komme was da wolle, ich fahre?". Ein Fuehrerschein wird hier nicht mit einer Fuehrerscheinpruefung wie bei uns vergeben, sondern einfach beim Amt beantragt und bezahlt.

Von den Bergen in der Naehe von Taxco fuhren wir durch trockene Sandberge mit Kakteen in 2500 m hohe Berge mit Nadelgestruepp. Es wurde kaelter. Erst bruetende Hitze, ne Stunde spaeter Kuehle in den Bergen?und auf dem Motorrad merkt man jede klimatische Aenderung. Vom Nadelgestruepp ging es wieder die Strassen bergab, wo Kakteen links und rechts den Strassenrand besiedelten. Wahnsinn dieser Wechsel an Natur. In Colotlan, im Bundesstaat Aguas Calientes, fanden wir ein nettes Hotel mit englischsprachigem Hotelchef, der uns Budgetreisenden gleich einen Rabatt gab und uns zum Essen einlud. Wir erfuhren sehr viel ueber Mexikaner und ihre Sichtweise von Arturo, dessen Familie in den USA und im Norden von Mexiko lebte. Es war das erste laengere Gespraech mit einem Mexikaner, denn diese sind sehr zurueckhaltend und ueber die ueblichen Fragen, woher wir kommen und wohin wir fahren, ging es nicht hinaus.

Auf dem Weg von Colotlan nach Sombrete fuhren wir wieder eine schmale Landstrasse, die zu unserer Ueberraschung ploetzlich aufhoerte und mit Schotter weiter fuehrte. Eine wunderschoene Strecke ueber einen Bergkamm und der Ausblick aufs Land belohnte uns fuer die Anstrengung von 30 km Schotterpiste fahren. Endlich wieder weniger Dreck am Strassenrand. Landwirtschaft und Viehzucht ist hier die Einnahmequelle fuer die meisten Mexikaner. Wir fuhren vorbei an Mexikanern auf ihren Pferden mit Cowboyhueten und wir zwischen drin, weisse Auslaender auf Motorraedern. Ein Grund zum Gaffen! ?

Ueber Hidalgo del Parral fuhren wir am 19.02. ueber eine super schoene Kurvenstrasse nach Creel. Kurz nach Cuachochic beginnt der Batopilascanyon und die Natur zeigt einen kleinen Teil seiner Schoenheit. 2 1/2 Wochen verbrachten wir danach in Creel und haben uns den Coppercanyon sowie den Batopilascanyon angeschaut. Sehr beeindruckend. Die Fahrt auf 40 km Schotter -, Sandpiste auf kurviger Strasse entlang des Bergkamms des Canyons war super toll, aber auch anstrengend. 80 km Schotterpiste fahren und man muss nicht mehr ins Fitnesscenter gehen, um alle seine Muskeln zu spueren. Eine warme Dusche und ein Feuerle im Ofen liess uns in Creel wieder zu Kraeften kommen, nachdem Thomas in diesen 2 ½ Wochen auch noch einen Grippe erwischte. Also blieben wir bei Samuel und Luly im Hostel und ruhten uns aus. Nachdem es in den Bergen nachts sehr kalt war, hatten wir gerade an dem Tag, an dem wir weiterfahren wollten, wieder Probleme mit der BMW. Sie wollte nicht anspringen, so dass wir wieder einmal Starthilfe vom alten Auto von Samuel erhielten und schlussendlich waren wir wieder on the road. .. und zwar nach Los Mochis, wo wir die Faehre auf die Baja California nehmen wollten.

Ein Stop in Alamos, der alten Silberstadt, versprach bereits die erste Aufwaermung und wir verbrachten nette Tage mit drei Kanadiern (Ann und Nick, Alex) und mehreren Amerikanern (Debbie und Dewie, Tony, Lissy u.a.). Da die lange Osterwoche vor uns lag, nahmen wir die Faehre von Topolobambo nach La Paz am Donnerstag vor Ostern, denn am Wochenende war alles ausgebucht. Erst stellten wir uns fuer die Tickets in die Schlange, bis die gute Frau am Schalter uns darauf aufmerksam machte, dass wir die Motorraeder vorher registrieren lassen mussten. Also nochmals raus auf das Gelaende, nach dem entsprechenden Mitarbeiter suchen und die Bikes registrieren lassen? dann wieder am Ticketschalter anstellen und schon hatten wir nach 30 Minuten unser Ticket fuer die Baja California. Mit der Faehre ging es dann 6 Stunden nach La Paz. Die Motorraeder blieben Gott sei Dank auch unversehrt, weil das Meer von Cortez sehr ruhig war, so dass wir ein wenig doesen konnten und uns weniger Gedanken um die nur halbwegs befestigten Motorraeder machen mussten. Auf der Faehre gab es naemlich keine Spanngurte o.ae., sondern wir befestigten die Motorraeder mit einfach Stricken so gut es eben ging.

Am naechsten Morgen, nach der ueblichen Militaerkontrolle, waren wir auf dem Weg nach Sueden und campten in Los Barrillos. Traumhaft weisser Sandstrand, tuerkisblaues, klares Meer und Sonne, was will man mehr. Von dort ging es ein paar Tage spaeter in Richtung Norden, denn Cabos San Lucas, im Sueden der Baja, sollte sehr amerikanisch sein und dass wollten wir dann doch nicht. Unser naechster Stop war Loreto und dorthin fuehrte uns eine atemberaubende Kurvenstrasse mit Bergen links und rechts und dazwischen schimmert das tuerkisblaue Meer hindurch. In Loreto trafen wir Manfred und Lotti, zwei Deutsch/Schweizer, die bereits seit 2 Jahren und 4 Monaten unterwegs sind, Australien und Neuseeland bereits gesehen haben und die wir hoffentlich spaetestens im Dezember in Patagonien, in Suedamerika, wiedersehen werden. Wir verlebten super schoene Tage mit viel Kaffee und Kuchen und sehr interessanten Gespraechen mit den beiden. Am 23.3.08 fuhren wir weiter in Richtung Laguna di San Ignacio, wo wir tourimaessig eine Whalewatchingtour unternahmen und total begeistert waren. Die Schotterpiste zur Lagune sorgt dafuer, dass nur wenige Touristen bei Pachico's Ecotour die Wale beobachten. Wir konnten sogar die Mutter und ihr Baby streicheln, was fuer ein Erlebnis. In der Lagune trafen wir auch auf Thomas, ein deutscher Ingenieur, der seit den 80 er Jahren in den USA lebt und verbrachten mit ihm zwei interessante Abende.

Weiter noerdlich fanden wir ein nettes Schlafplaetzchen am Strand in Santa Rosalita und von dort aus fuhren wir ausgeruht in Richtung Grenze. Wir trafen Manfred und Lotti wieder und verbrachten noch einen sehr lustigen Abend zusammen auf einem Campingplatz noerdlich von San Quintin. Und wieder mussten wir uns schweren Herzens verabschieden, denn wir wollten die Grenze in Kalifornia ueberqueren und die beiden nach Arizona, sie fahren die Ostkueste und wir die Westkueste. Aber man sieht sich ja immer mehrmals im Leben!

Tecate sollte ein schoener ruhiger Grenzuebergang sein. Als wir am Nachmittag in Tecate ankamen, liessen wir unsere Motorraeder noch einmal beim Carwash-Express waschen. Erfahrungsgemaess hatten wir vorher nach dem Preis gefragt und als sie fertig waren, wollten sie auf einmal den doppelten Preis pro Motorrad, versperrten uns die Ausfahrt mit einem Eisentor ? sollten wir am letzten Tag von Mexiko wirklich noch eine solche Abzockersituation erleben? Ja!!! Aber nicht mit mir. In Spanisch- und Englischmix habe ich meinen Unmut lautstark zum Ausdruck gebracht und scheinbar haben sie das nicht erwartet oder es war mein "boeser" Blick (einige von euch kennen mich ja gut genug und kennen "meinen" Blick ?), jedenfalls war das Tor wieder frei und wir hatten lediglich 10 pesos mehr als vereinbart bezahlt! Wir waren aber bedient fuer diesen Tag und fuhren deshalb gleich zur Grenze, mussten allerdings noch unsere Einfuhrerlaubnis fuer die Motorraeder beim mexikanischen Zoll abstempeln lassen. Der nette Mann von der Immigration stempelte zwar unseren Pass aus, sodass unser Visa nicht mehr gueltig war, allerdings erklaerte er uns, dass wir fuer die Rueckgabe der Einfuhrgenehmigung der Motorraeder zurueck nach Tijuana mussten, denn der Zoll in Tecate selbst macht dies nicht mehr. Tijuana, eine Millionenstadt, die wir eigentlich vermeiden wollten. Aber es half nichts, wir fuhren also bei Rush-hour die 40 km nach Tijuana, um bis Abends um 20.00 Uhr die Grenze und die Stelle zur Abgabe des Permits zu finden. Vergeblich, es war dunkel und wir nahmen uns ein Hotelzimmer und fanden dafuer am naechsten Morgen relative schnell den Weg zur Grenze nach San Diego. Mit Nachfragen fanden wir auch die Behoerde, wo wir unsere Genehmigung abgeben konnten und fuhren dann zurueck nach Tecate. Denn wir hatten am Abend die 10 Schlangen am amerikanischen Grenzuebergang gesehen, die alle nach San Diego einreisen wollten und die kleine Schlange bei Tecate. Wir schlaengelten uns also an der kleinen Schlange in Tecate vorbei und die ganze Einreiseprozedure dauerte eine halbe Stunde. Fingerabdruck, Lichtbild, $12 bezahlen und wir hatten unser Visa fuer weitere 3 Monate.

Unser Ziel war die naechste Burgerbude!

3 Monate Mexiko mit den unterschiedlichsten Empfindungen und Erfahrungen liegen hinter uns. Schneller als gedacht vergingen die letzten Wochen. Eine wunderschoene Natur hat Mexiko, leider hat das Land wenig Geld, es so schoen zu erhalten und der Dreck und Gestank ueberall truebt den Blick auf die Schoenheit. Die Baja dagegen ist sauberer als das Festland, vermutlich weil es mehr Touristen hat und mehr Amerikaner dort leben?. Ist dies aber noch das richtige Mexiko? Soll sich jeder seine eigene Meinung bilden!

Zitat aus "Welcome to Hard Times" von E.L. Doctorow

"Really, how life gets on, is a secret, you only know your memory and it makes it own time. The real time leads you along and you never know when it happens, the best that can be is come and gone!"

Lebt Euer Leben!