Mexiko Teil 1

Nachdem wir uns am 27.12. schweren Herzens von Kathy, Bob, Aaron, Jennifer und Nelson verabschiedet hatten, waren wir auf dem Weg nach México. Ein letztes mal Tanken in den USA und dann gings in Presidio ueber die Grenze nach Ojinaga. Der dritte Grenzuebergang auf unserer Reise. Wieder ein neues Visum und dieses mal ganz wichtig eine Einfuhrgenehmigung fuer die Motorraeder beantragen¿Wir waren dank vieler Informationen aus dem Internet gut vorbereitet und hatten fuer alle unsere Papiere Kopien gemacht. Das ganze Procederé dauerte insgesamt 2 Stunden und wir hatten inklusive einer Haftpflichtversicherung fuer beide Motorraeder alles erledigt.

Wir fuhren also am selben Tag weiter nach Carmago und waren immer noch in der Chihuahua Wueste. Ein kleiner Sandsturm empfing uns und wir haben einmal mehr gesehen, wie unberechenbar die Natur sein kann¿ nach unser ersten Militaerkontrolle kamen wir am Abend in Carmago an und fuhren die Motorraeder durch die Eingangstuer ins Hotel.

Von Carmago fuehrte unser Weg Richtung Osten, denn wir wollten an die Golfkueste und dort Silvester verbringen. Der Verkehr war unvorstellbar, in jeder Stadt ein Chaos schlechthin, keine Fahrbahnmarkierungen und jeder faehrt wo gerade Platz ist¿fuer uns natuerlich umso schwieriger einen Weg durch die Stadt zu finden und so kam es, dass die Strasse von drei auf zwei Spuren gerade aus zusammenfuehrte und vor uns auf einmal sogenannte Topes aus Metall auftauchten und einfahrender Verkehr von links. Ich versuchte nach rechts auszuweichen, doch dort kam ein Polizeiauto angefahren. Also ausweichen und schon fuhr ich ueber die einzelnen Topes nicht frontal, wie es am besten waere, sondern ich fuhr quer drueber und eh ich mich versah, schwenkte mein Hinterrad aus und ich lag auf der Strasse. Mitten auf der Kreuzung.

Gott sei Dank hielt ein Busfahrer an, hob mein Motorrad auf und schob es auf die Seite, denn ich konnte selbst mit dem rechten Bein nicht auftreten. Ein freundliches mexikanisches Ehepaar, das hinter mir gefahren war, hielt ebenfalls an und rief den Notarzt. Kaum 10 Minuten spaeter war der Krankenwagen auch schon da¿ wir wollten jedoch das Motorrad nicht auf der Strasse stehen lassen, so dass ich meine Zaehne zusammenbeissen musste und wieder aufs Motorrad drauf¿ so fuhren wir gemeinsam hinter dem Krankenwagen ins naechste Krankenhaus. Nach einer ausfuehrlichen Untersuchung von Dr. Silvana konnte ich nach knapp 1 ½ Stunden das Krankenhaus verlassen¿ich hatte wieder Glueck im Unglueck und hatte nur eine starke Prellung des Knies, aber keinen Bruch.

Dank an den englisch sprechenden Doctor, ich fuehlte mich gut aufgehoben. Die meisten Aerzte in México sprechen Englisch, da sie fast alle in den Staaten ausgebildet wurden.

Es wurde bereits dunkel und wir fuhren also weiter, um eine Unterkunft zu suchen und wurden in Matamoros fuendig. Ein Stundenhotel mit eigener Garage mit Vorhang, damit keiner sehen konnte, wer sich eingemietet hat¿ etwas eigenartiger Gedanke am Anfang, aber es war sehr sauber, guenstig und wir hatten einen sicheren Platz fuer unsere Motorraeder.

Nach einer erholsamen Nacht ging es am naechsten Morgen weiter ueber Satillo in die Berge und dann weiter nach La Pesca, am Golf von México. Leiden war La Pesca nicht das kleine beschauliche Fischerdorf, was wir erwartet hatten, aber wir blieben drei Tage und hatten es uns in einem Hotel gemuetlich gemacht und mein Knie geschont. Silvester ging ruhig vorbei und das neue Jahr konnte kommen mit allen Herausforderungen und Erfahrungen.

Entlang der Golfkueste ging es fuer uns immer weiter suedlich auf dem Weg zum naechsten Motorradhaendler in Boca del Rio in der Naehe von Veracruz, denn die BMW brauchte einen Oelwechsel¿ in México gibt es leider nur 12 BMW Haendler, so dass wir gezwungen waren, in eine Grossstadt zu fahren, wieder einmal viel Verkehr und Laerm. Aber wir hatten Glueck und sind instinktiv richtig gefahren. Es war Sonntag und wir uebernachteten in einem Stundenhotel in der Naehe des BMW Haendlers, damit wir am naechsten Morgen gleich alles erledigen konnten.

Der eigentliche Motorradmechaniker war am morgen noch beim Arzt, also uebernahm kurzerhand der freundliche Servicechef den Beginn des Oelwechsels¿ja unglaublich, im weissen Hemd und Stoffhose setzte er sich vor mein Motorrad und liess das Oel ab. Zwei Stunden spaeter war alles erledigt und es dauerte nochmal eine Stunde, bis wir endlich weiterfahren konnten, denn das Motorrad wurde nochmals gruendlich gewaschen¿ ich glaub so sauber war mein Motorrad noch nie¿Danke an BMW Boca del Rio.

Ueber Villahermosa fuehrte uns der Weg Richtung Yucatán und nach knapp 14 Tagen in México waren wir in Mahahual an der Karibikkueste angekommen. Die 50 km lange Strasse von der Hauptstrasse nach Mahahual abgehend war etwas eintoenig, aber wir stellten fest, dass saemtliche Verkehrsschilder umgeknickt waren. Links und rechts der Strasse ueberall Mangrovenlandschaft und als wir Mahahual erreichten, sah es aus, als ob ein Sturm gewuetet haette¿und von unseren Gastgebern Justa und Albert, die das Travel In, ein Restaurant am Strand, fuehren, erfuhren wir, dass im letzten August ein Hurrikan der Kategorie 5 an diesem Teil der Karibikkueste alles zerstoert hatte.

Es war bereits ein halbes Jahr her, jedoch sah es immer noch so aus, als waere es gestern gewesen. Ueberall lag Muell herum, Muscheln und Teile vom Riff, den das Wasser an den Strand gespuelt hatte und zerstoerte Haeuser und Gebaeude. Die Strasse war das einzigste, was halbwegs wieder hergestellt war, aber ueberall wurde gebaut. Es ist schon ein Unterschied, alles in Natur zu sehen und nicht nur uebers Fernsehen, wo alles so weit weg ist und einem nicht wesentlich betrifft. Wir blieben zwei Tage bei Justa und Albert und zelteten im Garten, bzw. das was noch davon uebrig war.

Danach sollte es nach Tulum gehen, denn wir wollten ja einen Ort finden, wo wir uns ein wenig ausruhen konnten vom Motorradfahren und einfach nur in der Cabaña am Strand verweilen. Leider war Tulum sehr touristisch und zu teuer fuer unser Budget, so dass wir auch hier nach zwei Tagen bereits weiter fuhren und ueber Valladolid, vorbei an Chitzen Itza in Richtung Campeche. In einem kleinen Hotel in Hopelchen uebernachteten wir. Was fuer ein Unterschied, Hopelchen und Tulum, kein Tourismus, eine ruhige nette Kleinstadt, wo alles friedlich wirkte, selbst der Verkehr.

Gut ausgeschlafen ging es am naechsten Tag an der Kueste von Campeche weiter nach Palenque, wo wir uns zum ersten mal dem Kulturprogramm ¿Besichtigung der Mayaruinen¿ widmeten. Wir zelteten auf dem Campingplatz Mayabell, dem naechsten Campingplatz zu den Ruinen und waren am naechsten morgen frueh um 8.00 Uhr vor den Ruinen. Leider mit mehreren Reisebussen gleichzeitig, so dass wir nicht alleine waren und uns im Strom der Touristen bewegen mussten.

Nach zwei Stunden war es uns dann zu viel und wir waren wieder auf dem Weg zum Campingplatz und Swimmingpool. Entspannen! Wie herrlich¿ wir sind halt doch Traveller und keine normalen Touristen! Leider begann es am Abend so stark zu regnen, dass wir am naechsten morgen wieder einmal im Regen das Zelt zusammenbauten und in die Stadt ins naechste Hotel fuhren¿ Der Regen hielt zwei Tage und am dritten Tag, auf dem Weg nach San Cristóbal de las Casas war ich wieder unaufmerksam und fuhr kurzerhand in einen Seitengraben auf der Bergstrasse zwischen Palenque und San Cristóbal. Glueck im Unglueck, ich hatte mir dieses mal nur das linke und nicht das bereits geschaedigte rechte Knie geprellt und es waren nette mexikanische Arbeiter am Strassenrand, die mein Motorrad aufhebten, auf die Seite schoben und nach kurzem Ueberlegen und Ueberreden hoben sie mein Motorrad einfach an und hieften es in einen kleinen Lastwagen. So fuhren wir also wieder zurueck nach Palenque zum naechsten Mechaniker. Der hatte natuerlich keine Ersatzteile fuer meinen voellig verbogenen und abgebrochenen Schalthebel, aber der Lehrling war flink und geschickt und so wurde mein verbogener Schalthebel einfach wieder etwas zurecht gehaemmert und angeschweisst und nach knapp einer Stunde konnten wir wieder weiter fahren.

Mit etwas mulmigem Gefuehl fuhr ich also hinter Thomas die gleiche Bergstrasse in Richtung San Cristóbal, wo wir am Abend in einem Hostel eincheckten und uns dort drei Tage vom Schock erholten, nette Schweizer Rucksacktouristen trafen und uns den naechsten Ort aussuchten, wo wir laenger bleiben wollten. Naemlich an der Pazifikkueste.

Ziel war Puerto Arrista, ein kleines ruhiges Dorf an der suedlichen Pazifikkueste. Die Strecke von San Cristóbal ueber Tuxtla fuehrte uns ueber eine super schoene kurvige Bergstrasse nach Puerto Arrista. Von knapp 2500 m bergab auf Meereshoehe. Lag es an dem Klimawechsel, an den Ereignissen der letzten Wochen oder einfach nur am Huehnchen, was wir unterwegs gegessen haben? Jedenfalls ging es mir nicht gut und ich verbrachte die naechsten Tage abwechseln in meinem Bett in unserer Cabaña oder auf dem WC. Wir hatten zwar einen Rabat fuer eine Woche fuer die Cabaña bei Jose, einem Canadier, der seit 35 Jahren in México lebt, erhalten, doch geniessen konnte ich die Zeit leider nicht.

Jose und seine Frau waren sehr hilfsbereit und versorgten uns mit Kraeutertee, gutem Essen, soweit ich es bei mir behalten konnte, und auch meine Entzuendung am Bein wurde mit mexikanischer Medizin behandelt¿ waere es nicht ein Campingplatz, koennte man meinen, ich war im Krankenhaus. Irgendwo in Palenque hatte ich mir eine Larve von einem Mostito einfangen und diese hatte sich in meiner Wade entzuendet. Dank der leider schmerzhaften Behandlung von Joses Frau war dies aber nach zwei Tagen besser und so fuhren Thomas und ich nach einer Woche an der Pazifikkueste wieder in Richtung Norden.