Teil 8: Chile und Argentinien Teil 2:

Da wir jedoch nicht genügend Essen dabei hatten, weil wir ja die Grenze überschreiten wollten, konnten wir diesen herrlichen einsamen Ort nur einen Tag und Abend mit Lagerfeuer geniessen und fuhren am darauffolgenden Tag nach Esquel, wo wir weitere drei Tage auf einem mit vielen argentinischen Jugendlichen verbrachten. Viele der argentinischen Jugenden bereisen nach dem Schulabschluss ihr eigenes Land, weil sie sich eine Reise im Ausland nicht leisten können, unternehmungslustig jedoch sind und sich ihre Reise in Argentinien meist mit Verkaufen von Freundschaftsbändern und ähnlichem selbst gebastelten Schmuck finanzieren.

 

Leider mussten wir wieder einmal feststellen, dass Argentinier keinerlei Berührungsängste haben und ihre Zelte nicht mal 1 Meter neben unser Zelt aufstellten... dass keiner über unsere gespannten Schnüre fiel, war mehr ein Wunder... Nach drei Tagen Dauerparty der Argentinier hatten wir jedoch genug Schlafmangel und fuhren weiter in Richtung des argentinischen Seengebiets, verbrachten 10 wunderbar entspannte und interessante Tage in El Bolson auf dem Gelände von Klaus und Claudia, welche als wohl berühmteste Langzeitreisende unter den Motorradreisenden bekannt sind („Abgefahren“). Ihre Kinder sind total aufgeschlossen und wir hatten gemeinsam viel Spass. Die Gespräche mit Klaus und Claudia und ein paar ihrer Erlebnisse auf ihrer 20 jährigen Reise brachte uns so manchen Abend bei einem Gläschen Wein zum schmunzeln. Wir waren ganz froh, dass wir die Gelegenheit ein wenig Einblick in ihre neue Welt, ihr neues Leben innerhalb der Familie miterleben zu können und uns für diese Zeit bei ihnen auf der Chacra entspannen und erholen konnten.

 

Dort trafen wir ebenfalls auf Susan und Didi, einem Päarchen aus der Schweiz, die ihre Reise mit einem Mercedes Sprinter gerade erst in Buenos Aires begonnen hatten. Beim gemeinsamen Asado und nach einem lustigen Abend, fiel uns die Entscheidung leicht, doch noch einen Tag zu bleiben und gemeinsam mit den beiden erst später loszufahren. Als es dann zum Abschied hiess, entschlossen Thomas und ich uns ganz spontan, den beiden auf dem Schotterweg zum Lago Steffen zu folgen... wo wir herrliche drei Tage zusammen auf einem vereinsamten Campingplatz verbrachten, frisch gefangenen Fisch von Didi gebraten auf dem Grill genossen und ebenfalls von den beiden mit einem herrlichen Gemüseeintopf verwöhnt wurden. Der Abschied fiel uns sichtlich schwer, als wir uns am Montag dann doch verabschieden mussten, denn wir hatten nach 3 Tagen keine Nahrungsmittel mehr... wieder einmal wünschten wir uns die Annehmlichkeiten eines Wagens, wo man soviel Lebensmittel mitnehmen kann, wie man verstaut bekommt..... auf einem Motorrad ist man doch jedes mal beschränkt... also fuhren wir die enge Sandstrasse, die noch etwas schlammig war vom Regen des vorigen Tages, wieder auf die Teerstrasse in Richtung Bariloche.

 

Bariloche, bekannt als Schokoladenstadt, enttäuschte uns sehr, denn so touristisch wie die Stadt ist, hätten wir nicht erwartet. Der billigste Campingplatz sollte dennoch pro Person 15€ kosten... hallo .. wir sind in Südamerika, nicht in Italien, wo die Campingplätze führ ihre Preise bekannt ist... aber wir waren immer noch inmitten der argentinischen Sommerferien, so dass die Preise von vielen bezahlt wurden... ich frag mich zwar immer noch, wer freiwillig für so ne Qualität, die trotz hohen Preises, immer noch südamerikanisch war, aber für unser Budget war es selbst für eine Nacht zu viel oder besser gesagt, ich wollte einfach nicht soviel Geld bezahlen, um mein Zelt auf irgendein Stückchen Erde aufzustellen. Also fuhren wir weiter und aus der Stadt heraus in Richtung Grenze zu Chile, denn wir wollten dann auf der chilenischen Seite das Seengebiet bereisen. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch den Nahual Huapi Park, wo wir ein nettes Plätzchen zum Campen am Rande des Sees fanden und lediglich 10 € für uns beide für die Nacht bezahlten.

 

Da wir am Tag zuvor so viele Kilometer gefahren waren, gönnten wir uns einen Erholungstag im Park und fuhren erst am nächsten Tag nach Villa Angostura, wo wir an einer Tankstelle auf Silke und Olli trafen, die gerade aus Chile kamen. Nach einer kurzen Gesprächspause entschieden wir uns in Argentinien zu bleiben, denn es war immer noch Ferienzeit und der Andrang am Grenzübergang enorm, wie uns die beiden berichteten. Darauf hatten wir wirklich keine Lust, also fuhren wir am nächsten Tag in Richtung Norden, aber auf argentinischer Seite. Susan und Didi hatten uns von einem schönen Platz am Lago Filo Huahum erzählt und so fuhren wir nicht an diesem vorbei, sondern versuchten unser Glück. Leider hat sich in den letzten Jahren einiges verändert und auch hier hatte der Tourismus seine Auswirkungen. Wir fanden keinen freien Platz, wo wir unser Zelt in der Wildnis hätten aufstellen können, also blieben wir für zumindest eine Nacht auf dem überteuerten Campingplatz, wo zu unserer Freude am Abend auch Susan und Didi eintrafen. Welche Wiedersehensfreude! Wir verbrachten wieder einen super schönen Abend gemeinsam und entschlossen uns noch ein paar Tage gemeinsam an diesem Ort zu bleiben. Die Zeit gemeinsam verging so schnell, nach 5 Tagen ging auch unsere letzten Essensvorräte aus, so dass wir uns wieder einmal verabschieden mussten. Auf einer staubigen Strasse ging es nach San Martin de los Andes.

 

Dort füllten wir unser Vorräte auf und versuchten am Lago Lacar einen bezahlbaren Campingplatz zu finden. Vergeblich, also fuhren wir wiedermal auf einer kleinen Schotterstrasse zum Lago Lolog. Auf dem Weg dorthin lief mir ein streunender Hund genau vors Motorrad, so dass ich dummerweise bremste und eh ich mich versah, schon wieder mit dem Motorrad auf der Seite lag. Tja, das war dann wohl mein 4. Unfall auf der Reise... wäre nicht nötig gewesen, aber leider wieder einmal mir passiert.. Gott sei Dank hatte ich wieder meine volle Motorradkleidung an und so holte ich mir lediglich ein paar Schürfwunden am Arm und eine Prellung am Knie und nach kurzer Schadensbegutachtung am Motorrad fuhren wir weiter zum See. Dort angekommen, konnte ich erstmal meine Schmerzen im kühlen Wasser beruhigen und nachdem es gegen Abend auch etwas ruhiger dort wurde (tagsüber ist es ein beliebter Ort für Argentinier zum Abfrischen bei der Hitze), stellten wir unser Zelt direkt am Wasser auf. Ein herrlicher Sonnenuntergang und ein Becherchen argentinischer Rotwein half mir über die Schmerzen der Prellung hinweg. Der nächste Tag begann mit herrlichem Sonnenschein und so beschlossen wir, einen ruhigen Tag am See einzulegen und während Thomas mein Motorrad wieder aufpeppelte, mit Duct Tape versorgte, genoss ich den Sonnenschein und war genau nach Rolle zugeteilt, für die Versorgung zuständig...während Thomas mein Motorrad wieder flickte, musste er überraschenderweise feststellen, das wieder mal eine Schraube, und zwar die Schraube zur Motoraufhängung fehlte... oh je.. so eine wichtige Schraube, was wäre wohl passiert, wenn er es nicht bemerkt hätte und sich bei der nächsten Schotterpiste mit Wellblechfahren einfach mal der vordere Teil gelöst hätte? Lieber nicht darüber nachdenken... wir mussten also am nächsten Tag in der Stadt auf Suche nach einer grossen Motoraufhängungsschraube gehen... Am frühen Morgen packten unsere Sachen und gerade als ich das Zelt hochheben wollte, um es zusammenzulegen, gab es ein lautes Krachen und eh ich mich versah, hatte es einen 70 Zentimeter langen Riss entlang der Stangenführung beim Eingang des Zeltes.... so ein Mist.. schon wieder etwas zum Reparieren...dass hiess, in der nächsten Stadt, San Martin de los Andes mehrere Dinge besorgen, bevor wir weiter nach Junin de los Andes fahren konnten... Dieses mal hatten wir jedoch Glück und in einem kleinen Eisenwarenladen fanden wir nicht nur Duct Tape, sondern auch eine passende Schraube für meine Kawa, der Ladenbesitzer war richtig begeistert und so hilfsbereit, dass er höchstpersönlich unter mein Motorrad lag und die Schraube mit Thomas gemeinsam anzog. So konnten wir schnell weiterfahren und trafen in Junin Susan und Didi wieder. Bei einem gemütlichem Abend in einer einheimischen Bar in Junin entschlossen wir uns gemeinsam zum nächsten See Curruhue zu fahren und dort ein paar Tage zu verbringen...

 

Gesagt, getan.. nach 3 Tagen in Junin ging es eine Schotterpiste in Richtung chilenische Grenze, kurz vorher war der See Curruhue und wir stellten unser Camp auf dem kostenlosen Campingplatz auf, wo wir bisher die einzigsten Gäste waren... toll eine Nacht ohne laute Musik und Asado der Argentinier... allerdings war wieder mal so viel Wind, dass wir extra ein Windschutz bauen mussten, damit wir gemütlich Essen konnten. Mit unserer Baumarkt-Plane, die sonst immer Regenschutz war, und langen Stöcken des drum herum wachsenden Bambus, war ein Windschutz schnell errichtet... man muss nur die richtige Idee und 8 fleissige Hände haben, gemeinsam ging es innerhalb von ein paar Minuten und wir konnten den Abend gemütlich mit Wein und Lagerfeuer geniessen... Dank des Duct Tape hielt auch unser Zelt zusammen und wir konnten beruhigt in der Nacht schlafen. Mittlerweile mussten wir den zweiten Eingang vorne benutzen, da der eigentliche seitliche Eingang nicht mehr zu schliessen ging und wir es notdürftig mit Sicherheitsnadeln zusammenhielten. Selbst unsere Schweizer Freunde konnten uns hierbei nicht weiterhelfen, also hiess es umständlich von vorne hineinkrabbeln... so lange diese Öffnung wieder zu schliessen geht, war es ok, schliesslich waren wir fast am Ende unserer Reise und das Zelt musste nur noch ein paar Wochen halten... wir blieben wieder ein paar Tage mit Susan und Didi an dem See, bei interessanten Gesprächen, Bücher lesen, lecker Grillen und Essen, Brot backen und gemeinsamen Mate-Tee trinken verging die Zeit wie im Flug und als alle Vorräte aufgebraucht waren, hiess es für uns wieder verabschieden, dieses mal für längere Zeit.

 

Thomas und ich fuhren zurück nach Junin, um uns mit weiteren Lebensmittel zu versorgen und den nächsten Tag zum Grenzübergang im Park National Lanin aufzubrechen. Unglaublich, wenn man auf der zunächst schön geteerten Strasse fährt und den Ausblick auf den Vulkan Lanin in der Ferne werfen kann und sobald man auf Schotter fährt nur noch mit halben Auge die Umgebung wahrnehmen kann, denn ich sollte mich gut auf die Strasse konzentrieren, um nicht noch einen weiteren Unfall zu verursachen... immer näher rückte der Vulkan und wir hatten herrliches Sonnenwetter... da so herrliches Wetter war, entschlossen wir uns noch einen Tag in Argentinien zu bleiben und unsere Essensvorräte, die wir nicht mit nach Chile einführen durften, aufzubrauchen und unterhalb des Vulkans auf dem Campingplatz zu verweilen... und wir waren nicht die einzigsten... zu uns gesellten sich noch Franz und Vreni, ein Päarchen aus der Schweiz sowie ein Päarchen aus Neuseeland, die mit den Fahrrädern unterwegs waren... doppelt so alt wie ich und viel aktiver unterwegs... aber bei den Windverhältnissen in Patagonien bin ich über die motorisierte Kraft einige Male dankbar gewesen... es wurden Erfahrungen ausgetauscht und als es abends dann kühler wurde, ging jeder in seine Schlafgemache... die anderen fuhren am nächsten Tag weiter und Thomas und ich genossen den Tag mit einmaligen Blick auf den Vulkan und unterhielten uns ein wenig mit den Mapuchen (Ur-Einwohner), die den Campingplatz betrieben... teilweise war es schwierig zu kommunizieren, denn sie konnten nur begrenzt spanisch, die Mapuchen haben ihre eigene Sprache, die man nicht als Fremder meist nie versteht... wir fuhren am darauffolgenden Tag weiter über die Grenze nach Chile und mussten mit Schrecken feststellen, dass die chilenische Seite des Seengebiets noch mehr touristisch ausgelegt ist, als die argentinische Seite des Seengebiets. Wir fuhren also nach Villarrica, wo wir schon so viel von gehört hatten und kämpften wieder um einen günstigen Übernachtungsplatz auf einem Zeltplatz... der Blick auf den Vulkan Villarrica war super, allerdings konnte ich nachts vor lauter Hundegebell, der die ganze Nacht andauerte, nicht schlafen... herzlich Willkommen, wir waren wieder in einer südländischen Stadt, mit viel Verkehr, streunenden und vor allem ohne nachvollziehbaren Grund bellenden Hunden usw. wir haben unsere Vorräte aufgefrischt, Internet erledigt und unsere Flüge gebucht, Bewerbungen geschrieben, nach einer Wohnung gesucht... alles bereits in Vorbereitung auf die Rückkehr... es blieben uns noch zwei Wochen bis wir in Valparaiso unsere Motorräder wieder verschiffen wollten und dann Anfang April als Überraschung für Thomas´ Mom nach Hause fliegen wollten... es war komisch, in Gedanken waren wir schon so viel zu Hause, dass wir die letzten Wochen die eigentlichen Dinge des Reisens gar nicht mehr als so schön empfunden haben, wir freuten uns auf ein Bett, ein sauberes Bad mit Badewanne, eine eigene Wohnung... seltsam, zwei Monate vorher haben wir noch gehofft, es möge noch lange so weiter gehen und kaum hat man einen Flug gebucht und das Rückreisedatum im Kopf, schon ist man mit seinen Gedanken bei all den Dingen, die organisiert werden müssen, woran gedacht werden muss usw... die Zeit verging viel zu schnell, und so vergingen auch die letzten zwei Wochen, die wir mehr oder weniger an der Küste nach Norden, auf dem Weg nach Valparaiso verbrachten in rasendem Tempo.. pünktlich zu Goh´s Geburtstag am 21. März waren wir im Hostel Villa Kunterbunt angekommen und konnten so mit unseren neu gefunden Freunden ein paar schöne Tage verbringen, bevor wir unsere Motorräder verpackten und diese den Heimweg bereits vor uns antraten. Wir trafen auf Miriam und Daniel, Silke und Olli und lernten zwei weitere Reisenden Joachim und Arno kennen, die auf KTMs 5 Wochen durch Chile und Argentinien reisten. Gemeinsam verbrachten wir unsere letzten Tage/Abende auf der südlichen Halbkugel und tauschten Erfahrungen aus. Wer weiss, wann man sich wieder sieht....

 

Die Zeit kommt einem im nachhinein so kurz vor, 21 Monate sind verflogen wie im Nu und doch waren teilweise sehr schwere Momente dabei, wo wir uns mehrmals fragten, ist es nicht besser aufzuhören und den „einfachen“ Weg der Heimreise zu wählen... ich bin froh, dass wir so lange unterwegs waren, auch wenn wir in den letzten Wochen gar nicht mehr abwarten konnten nach Hause zu fliegen und alles vor Ort zu organisieren, aber die Zeit hat uns geprägt, wir haben viele Probleme gemeinsam gemeistert, auch wenn die Situationen teilweise noch so schwierig waren, wir haben immer nette Menschen kennen gelernt, die uns ohne eigenen Nutzen selbstverständlich geholfen haben, die uns ein Dach übern Kopf und etwas zu Essen gegeben haben, die uns in ihre Familien aufgenommen haben, als wären wir schon immer Mitglieder gewesen und uns mit einer Selbstverständlichkeit willkommen haben, die wir in Europa oftmals missen... wir konnten feststellen, dass sich die Welt weiterdreht, zu Hause alle ihre eigenen Leben weiterleben, heiraten, Kinder bekommen und manchmal uns mit einer Email ehrten ... unsere Reise ist nun vorüber, das Leben in der Natur, wie wir es die letzten 21 Monate erleben durften und unseren Traum verwirklichen konnten.. ist nun vorerst ausgeträumt und der Kreislauf geht weiter... wie der Start in Europa uns gelungen ist... könnt ihr unter dem Bericht „die Rückkehr“ lesen!!!

 

Danke an alle, die uns während unserer Reise unterstützt und mit Rat und Tat von zu Hause geholfen und vor allem an diejenigen, die uns während unserer Reise auf der Strasse angetroffen und uns in ihren Familien herzlich aufgenommen haben. Danke!