Teil 8: Chile und Argentinien Teil 1:

Nach knapp zwei Wochen haben wir dann unsere Reifen in Punta Arena erhalten und mit Hilfe von einem Mechaniker in der Stadt waren sie auch relativ schnell montiert. Thomas Reifen, ein Heidenau mit ziemlich harten Material ging zunächst nur sehr schwer von der Felge runter und wieder drauf... dabei hat der Mechaniker den Schlauch beschädigt, denn als wir losfahren wollten, hatte Thomas einen Platten im hinteren Reifen. Es hiess also noch einmal Reifen ausbauen, neuen Schlauch besorgen und Reifen neu aufziehen... knapp eine Stunde später waren wir auch fertig und ausgerüstet mit neuem Profil ging es am Samstag, den 10.01. endlich gen Norden. Wir durften in dem Hostel in Punta Arenas ein wenig Familienleben mitgestalten, denn unsere Gastgeber Janny und Jose hatten einen 1 1/2 Jahre alten Sohn, der unaufhörlich weinte, wenn ihm etwas nicht gefiel und von Silke und mir getröstet werden wollte...wir wurden mit typisch chilenischem Essen verköstigt, aber es war wieder an der Zeit, nach knapp 14 Tagen in Punta Arenas, dass wir weiterfuhren. Unsere Hostelbesitzer waren traurig und zum Abschied gab es für jeden von uns noch ein kleines chilenisches Andenken.

 

Unser Weg gegen den extremen patagonischem Seitenwind führte über Puerto Natales zum Park National Torres del Paine. Meine Arme taten nach knapp 150 km fahren bereits weh, denn nur durch strenges Festhalten am Lenkrad und Hineinlegen in den Wind ging es mühsam voran... ich hatte nicht gewusst, dass man bei solchem Wind überhaupt noch fahren konnte... es sollte jedoch nicht das letzte mal sein, was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte... und wir fuhren ja auf Teerstrasse, also eigentlich nicht so wild war, aber ich war froh, als wir am nächsten Tag in den Torres del Paine mit weniger Wind fuhren. Der 70km Schotterweg in den Park war super schön, gut zu fahren, mit herrlichen Blicken  auf schneebedeckte Berge, davor Seen und grüne Landschaft... Natur pur, leider war die Piste sehr staubig, so dass wir dementsprechend dreckig waren, als wir im Park auf dem Campingplatz ankamen.... allerdings hatten sich im Laufe des Tages die anfänglich vorhandenen Wolken verzogen und wir hatten eine super Sicht zunächst auf den Lago Grey mit dem Gletscher und einem einzelnen vorstehenden Eisberg.

 

Der Sonnenuntergang am Abend gab uns ein wunderbares Lichterspektakel auf die Horns (schwarze Bergspitzen aus Felsformationen) am Lago Pehue. Wir trafen auf zwei andere Motorradfahrer, die ihre BMW's in Chile geliehen hatten und Thomas und ich bekamen sogar von Michael die abgepackte Outdoornahrung... so war uns echtes Sauerkraut mit Eisbein vergönnt.... erstaunlicherweise war die Fertigpackung richtig gut und als wir am nächsten Tag zu den Torres del Paine weiterfuhren, dort unser Zelt aufschlugen und die beiden Michaels uns noch einmal aufsuchten, waren wir hoch erfreut, als uns einer der beiden nochmals mit Fertigessen versorgte...

 

Der Weg führte vorbei an super schöner Landschaft, Wasserfällen und blauen Lagunen, irgendwo ragte immer ein schneebedeckter Berg hervor, links und rechts standen Guanacos am Strassenrand und während die Guanacos, die wir sonst am Strassenrand immer entdeckten, vor uns davon liefen, blieben die Guanacos im Park ganz ungerührt stehen und schauten die komische Menge auf Motorrädern und Autos nur unbeteiligt an. Der Weg zu den Torres ist lediglich für kleine Autos und Motorräder, Fahrräder oder Fussgänger zugänglich, denn man muss über eine kleine Holzbrücke, so dass zum Glück der Tourismus auf dem Campingplatz nicht mit dem Rotelbus oder Tucanreisebus ausgebucht war. Statt dessen stellten wir unser Zelt inmitten von Wanderen oder Bergsteigern auf...diejenigen, die uns kennen, wissen, dass wir zu Fuss nicht so gut unterwegs sind ... und auch die ganzen Wanderer, die sich am nächsten Tag auf den Weg zu den Torres machten, konnten uns kein schlechtes Gewissen einreden, wir genossen die Aussicht vom Zeltplatz aus. Leider fing es in der letzten Nacht im Park an zu regnen und so mussten wir unser Zelt nass zusammenbauen. Wir starteten relativ zeitig und waren vor dem grossen Ansturm an der Grenze und relativ schnell in Argentinien...nachdem der nette Grenzbeamte endlich auch die Daten von Thomas und mir in sein grosses Notizbuch geschrieben hatte und uns dann einzeln die Schranke nach Argentinien geöffnet hatte, so dass alle anderen Reisenden warten mussten...manche Grenzübergänge sind nicht zu verstehen, der Grenzübergang in Cerro Castillo zwischen Chile und Argentinien ist eigentlich ein relativ gut besuchter Grenzübergang, aber es kam uns vor als ob hier erst recht die Mentalität eines kleinen Grenzüberganges herrscht... egal, wir waren wieder einmal ohne Problem eingereist...

 

Das wir relativ zeitig unterwegs waren, stellte sich kaum 1 1/2 Stunden später als günstig heraus, denn wir fuhren von der Teerpiste auf die Route 40, wobei die ersten 30km guter Schotter war...allerdings hatte es die Tage zuvor geregnet und dadurch war die normalerweise trockene Staubpiste zu einer wahren Schlammpiste verwandelt worden... Thomas fuhr vor mir in den steinigen Seitengraben, ich hinterher, in der Hoffnung dort festeren Untergrund zu fahren, musste allerdings feststellen, dass ich darauf ebenso wenig sicher fahren konnte und wollte mit der Kawa wieder auf die schlammige Strasse fahren... was ich dabei nicht bedacht hatte, war dass es leicht zum Seitengraben bergab ging und mit meinem Fahrversuch auf die Piste mein Motorrad nur aus dem Gleichgewicht brachte und schon stand ich neben meinem Motorrad und die Kawa lag auf der Seite im Schlamm- ihgitt...

„super, dachte ich, ausgerechnet wieder mein Motorrad lag auf der Seite, aber Gott sei Dank war nichts kaputt.“

 

Thomas fuhr es für mich auf halbwegs geraden Untergrund, wobei sich aber mittlerweile das Hinterrad soweit mit Schlamm und Stein verstopft hatte, dass es stockte und die Kawa nicht mehr weiterfuhr. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mit einem Stock den Dreck zwischen meinem Hinterrad und der Schwinge einzeln herauszukratzen... Silke und Olli auf ihrer Transalp als auch Thomas ging es mit dem Schlamm aber nicht anders und so standen wir alle an unseren Motorrädern und versuchten den Schlamm/Dreck zu entfernen. Olli und Thomas mussten den Vorderradschutz abbauen, denn dort hatte sich der gesamte Schmutz gesammelt und verstopft. Zu allem Übel fing es auch noch an zu hageln und in der Ferne baute sich die nächste Regenfront auf.. wir standen mitten in der Schlammpiste und jeder war mit seinen Problemen beschäftigt, selbst die  vorbeifahrenden Allradautofahrer schlingerten über die Piste...die beiden BMW Fahrer, die wir im Torres del Paine Park kennenlernten, nahmen die gleiche Strecke und kamen nach uns ... doch auch ihnen ging es mit dem Schlamm nicht besser und wollten kein Risiko eingehen, fuhren dieselbe Strecke zurück und dann eine Teerstrasse... nachdem wir uns 2 h auf 200m gerade mal bewegt hatten, kam auch bei unserer Truppe mit Silke und Olli die Frage des Umkehrens auf... das hiesse allerdings Kilometer fahren und wir waren gerade mal 20km von der vor uns liegenden Teerstrasse entfernt... Thomas und ich wollten unbedingt weiterfahren, wir wussten ja jetzt, wie man am besten auf der Schlammpiste faehrt... wenig hin und herfahren, eine  Spur halten und möglichst nicht abrupt bremsen.... wir konnten Olli und Silke davon überzeugen weiterzufahren, allerdings liess Silke sich von einem Autofahrer mitnehmen und so konnten Olli, Thomas und ich uns in langsamen Schritten der Teerstrasse nähern...endlich mehr als 3 h nachdem ich mich die Kawasaki auf die Seite gelegt hatte und wir stoppen mussten, erreichten wir die Teerstrasse und hatten noch 100km vor uns bis nach El Calafate, wo wir völlig fertig am Abend ankamen...

 

Dort trafen wir auch Leo wieder, einen der Motorradfahrer, die es ebenfalls nach Ushuaia geschafft hatten. Das Treffen war leider mit einem negativen Beigeschmack, denn Leo hatte leider zwei Tage zuvor einen üblen Unfall auf der Route 40, die noch vor uns lag...gott sei Dank war ihm nichts lebensgefährliches passiert und so verbrachten wir gemeinsam ein paar schöne Tage mit ihm und einem weiteren Motorradfahrerpaaerchen aus Österreich, Sigrid und Andi, in El Calafate.

 

Einen Morgen standen wir zeitig auf, um vor all dem Touristentrubel zum Park National Perito Moreno mit dem berühmten wachsenden Gletscher zu fahren. Beim Sonnenaufgang erreichten wir den Eingang und waren wirklich fast die ersten.. hatten einen kalten aber sehr ruhigen Blick auf den Gletscher. Was für eine Natur! Als um 10.00 Uhr sich der Park mit Touristen füllte, fuhren wir mit dem Motorrad wieder heraus, es war kalt und für mich mit 5.30 Uhr aufstehen einfach zu zeitig... die Tage gingen dahin mit interessanten Gesprächen und nach 5 Tagen war es wieder an der Zeit aufzubrechen.

 

Unser Weg sollte von nun an wieder alleine weiterführen, wir verabschiedeten uns von Silke und Olli, mit denen wir insgesamt knapp 6 Wochen gereist waren und fuhren in Richtung El Chalten, um den Fitz Roy zu bestaunen.. wir hatten Glück und am Tag, als wir ankamen sogar einen fast wolkenfreien Blick auf den Berg. Auch am nächsten Tag schien für uns die Sonne und wir fuhren auf der Schotterpiste in Richtung Lago del Desierto. Der Wind wurde immer heftiger, als wir auf der schmalen Schotterpiste am See vorbeifuhren. Wir waren auf der Hälfte der Strecke, als uns aufgeregte Autofahrer anhielten und uns abrieten, weiterzufahren. Der Wind wäre so heftig und hätte bereits mehrere Bäume umgestürzt. wir fuhren weiter... 1 km weiter hielten uns andere Motorradfahrer an, die Strasse sei durch einen Baumstamm gesperrt. Wir hielten, berieten uns und als wir gerade weiterfahren wollten, erwischte mich eine so starke Windböe, dass es mich mitsamt Motorrad zur Seite riss. Eh ich mich versah, lag ich neben meinem Motorrad... unglaublich, wie stark die Windböen sein können und vermutlich kann das nur jemand verstehen, der solchen Wind einmal in Patagonien erlebt hat...zurück auf dem Campingplatz hat uns ein argentinischer Motorradfahrer nochmals vor dem vor uns liegenden Teil der Route 40 gewarnt... der Wind solle teilweise so stark sein, dass selbst Autos aus der Spur geschleudert worden...nicht gerade ermutigend... also beschlossen wir erst einmal am nächsten Tag bis nach Tres Lagos zu fahren, von wo aus die Route 40 mit Schotter wieder anfängt und dann weiterzuentscheiden, ob wir es wagen oder nicht..

 

Gegen Mittag hatten wir die 150km von El Chalten nach Tres Lagos geschafft und schon auf der Fahrt dorthin wunderten wir uns, es war einfach zu fahren, aber wir hatten, da wir vom Westen kamen, Rückenwind.... sobald wir auf die Hauptstrasse in Tres Lagos einfuhren und nicht mehr vom Westen fuhren, spürten wir die Gewalt, die vom Wind ausging... wir beschlossen unser Zelt auf dem verlassenen Municipalcampingplatz aufzustellen und zu hoffen, dass es am nächsten Morgen besser wäre mit dem Wind. Der Tankwart erklärte uns, dass der Wind über Nacht abflachte und gegen 10.00 Uhr morgens wieder richtig aufbauschte... also würden wir um 5.00 Uhr aufstehen und entscheiden, ob wir die Fahrt nach Norden auf der Route 40 wagen sollten oder... und tatsächlich, als wir um 5.45 Uhr fertig gepackt auf unseren Motorräder sassen und losfuhren, war der Wind nur ein leichte Brise... wir fuhren die ersten Kilometer auf Schotter, d.h. eigentlich fuhren wir nur in den tiefen Spurrillen, wobei wir aufpassen mussten, nicht aus der Spur in den teilweise knöchelhohen lockeren Schotter zu kommen... zweimal kam ich mit dem Motorrad von den Spurrillen in den tiefen Schotter und konnte nur mit Mühe und Gasgeben die Kawa wieder unter Kontrolle bringen, was für ein Adrenalinrausch!

 

Um 9.00 Uhr, als die Sonne immer mehr unsere ausgekühlten Körper erwärmte, hielten wir und frühstückten ein wenig.... den schwierigsten Teil mit dem Tiefschotter hatten wir zumindest hinter uns, jetzt lag nur noch 250 km Schotter und Naturstrasse vor uns, wobei uns bewusst war, dass jederzeit der Wind sich um einiges verstärken konnte. Trotz starken Windes kamen wir gut voran, immer wieder kreuzten wilde Guanacos oder Nandus oder sogar Hasen unseren Weg bis wir schliesslich völlig erschöpft in Bajo Caracoles ankamen, dem nächsten Ort von Tres Lagos auf der Ruta 40 nach Norden, immerhin knappe 350 km entfernt. Im Hinterhof eines kleinen Hotels fanden wir auch Platz für unser Zelt und gingen relativ schnell ins Bett, denn am nächsten morgen wollten wir über den Roballo Pass nach Chile einreisen und zeitig losfahren. Bereits um 8.00 Uhr morgens war der Wind sehr stark, es würde ein anstrengender Tag vor uns liegen.

 

Wie befürchtet, wurde der Wind immer stärker und die Passüberquerung war landschaftlich herrlich, nur leider konnte ich davon nicht so viel wahrnehmen, denn ich musste mich so aufs Motorradfahren konzentrieren, die engen steinigen Kurven und Strassen, ein so starker Seitenwind, dass ich mit Vollgas am Hebel nur begrenzte Geschwindigkeit überhaupt fahren konnte... der Blick auf den glasklaren blauen See sowie die bunten Gesteine der Felsen, die sich vor uns auftaten, ist unvergesslich... jedes mal anhalten, um zu fotografieren war eine besondere Herausforderung, denn mit jeder Windböe hätte ich auch schon wieder mit meinem Motorrad auf der Seite liegen können, aber ich hab mich ganz gut geschlagen...

 

Gegen späten Mittag waren wir auch endlich am Grenzübergang angekommen und ich dachte, super, jetzt geht’s bergab und es wird weniger Wind, aber falsch gedacht, der Wind kam jetzt nur noch mehr von vorne... vorbei an einem kleinen Fluss, grünen flachen Wiesen und Weideland fuhren wir in Richtung Cochrane in Chile, wo wir unser Zelt im Garten eines Hostels aufstellten. Gerade als unser Zelt fertig aufgestellt war, fing es auch schon zu regnen an, wir waren auf der Carreterra  Austral und schon wurden wir vom Regen eingeholt. Wir hatten schon viel darüber gehört, dass es auf der fast 1000km langen Offroadstrasse, der bekannten Carreterra Austral sehr viel regnete und mussten dies auch gleich bitter zu spüren bekommen... den darauffolgenden Tag verbrachten wir auch damit, in einem kleinen Schuppen, der zum Grundstück gehörte, unsere Mahlzeiten und Getränke gemeinsam mit einem Backpacker-päarchen, Rolf und Carina – Holländer, die nach Neuseeland ausgewandert waren und in Chile herumreisten. Das schlechte Wetter war daher für uns daher sehr angenehm, denn so lernten wir wieder super interessante Menschen kennen und konnten Erfahrungen austauschen.

 

Es war immer wieder schön während unserer Reise auf Menschen zu treffen, die verstehen konnten, was wir mit Reisefieber meinten und was es bedeutet zu reisen und nicht im Alltäglichen zu leben. Abends liess der Regen nach und wir konnten sogar auf einem kleinen Feuerchen unser chilenisches Fleisch essen, im übrigen nicht zu vergleichen mit der argentinischem Parilla. Als es am nächsten Morgen nicht regnete, packten wir wieder alles zusammen, verabschiedeten uns und waren auf dem Weg gen Süden, denn wir wollten die Carreterra Austral vom südlichsten Punkt gen Norden fahren... bis nach Villa O´Higgins wollten wir, nur leider trug der Schein und es begann am frühen Nachmittag zu regnen als wir schliesslich durch die wunderschönen Schluchten, vorbei an tropischen Pflanzen und Wasserfällen an dem Fährhafen von Puerto Yungay ankamen, waren wir schon ziemlich durchnässt. Wir hatten Pech und hatten die Fähre die uns Villa O´Higgins näher bringen sollte, am Mittag verpasst, die nächste fuhr erst 4 Stunden später und es blieb und blieb grau und regnete....  selbst der Blick übers Wasser zeigte keine Besserung... so langsam verging mir die Lust und wir entschieden uns nach knapp einer Stunde warten, dass wir wohl besser zurückfuhren und uns irgendwo ein Schlafplätzchen suchen sollten, denn wir müssten den nächsten Tag ja eh wieder mit derselben Fähre denselben Weg zurückfahren und aufgrund des ständigen Regens war uns die Lust und das Interesse vergangen.

 

Wir fanden auch einen super schönen Platz am Fluss, wo wir unser Zelt aufstellen konnten und sogar in der vorhandenen Feuerstelle am Abend ein Feuer machen konnten. Am nächsten Morgen war es immer noch kühl, aber der Regen hatte aufgehört und die Sonne kam heraus. Wir fuhren also weiter nach Norden, vorbei an Cochrane und über eine super schöne Schotterstrasse vorbei an schneebedeckten Bergen und davor liegenden kleinen Seen, bis wir schliesslich am Lago General Carrera ankamen und auf dem Campingplatz in Puerto Tranquillo auf Silke, Olli und den Schweizer Peter wiedertrafen. Es war recht windig und kalt, so dass der Abend nicht lang am Feuer verbracht wurde, sondern jeder sein Zelt schnell aufsuchte. Wir entschieden uns, die anderen drei am nächsten Tag weiterfahren zu lassen und noch einen Tag auszuruhen und die Aussicht auf den tiefblauen Lago General Carrera zu geniessen.

 

Welch eine gute Entscheidung, denn an diesem Nachmittag kam Adam aus England auf demselben Campingplatz an. Adam ist einer von zwei Engländern, die im Jahr 2006 von Europa gen Osten fuhr und dessen Reise Thomas bereits vor Beginn unserer Reise mitverfolgt hatte, um so weitreichend war auch der Gesprächsstoff und wieder einmal verbrachten wir einen sehr angenehmen Abend in interessanter Gesellschaft. Unser Weg führte uns auf der Carreterra Austral stetig nach Norden, immer wieder fing es an zu regnen oder der Regen wechselte sich mit Sonne ab.

 

Kurz bevor wir wieder nach Argentinien über Futaleufu einreisten, übernachteten wir an einem einsamen Fleckchen an einem kleinen See, den wir bei einem Stop über den Mittag und durch ein Zeichen „Zona de acampar“ fanden... von der Strasse ging es 100 m auf einer kleinen Abzweigung bergab und waren an einem Sandstrand mit einer Art Palappa, die wir aus Mexiko kannten. Ein idealer Schattenspender, unter dem wir auch gleich unser Zelt platzierten und im Wasser ein erfrischendes Bad nahmen... aufgrund eines Gletscherzulaufs, den wir in der Ferne sehen konnten, war das Wassers eisig kalt, aber es musste eine Erfrischung her, es war ungewöhnlich warm für die Carreterra Austral. Obwohl, wenn ich es recht bedenke, befanden wir uns schon auf dem Abzweig in Richtung Argentinien und nicht weiter in Richtung Norden, wo es allmählich den Anden näher ging und es immer trockener wurde.