Chile Teil 1

Nachdem wir uns frueh morgens von Jack und Bev verabschiedet hatten, sassen wir am 28.10. um 6.30 Uhr im Bus nach Tampa, wo unser Flieger nach Miami ging. Natuerlich wurden wir auch wieder als einzigste genauer unter die Lupe genommen, lag es nun an unseren Militaerrucksaecken, die ich normalerweise als Packtaschen auf meiner Kawasaki haengen habe oder an Thomas dunkle gebraeunter Hautfarbe... oder vielleicht sogar unserem Altersunterschied? Wer weiss warum, aber die Kontrolle haben wir gut ueberstanden und waren auf dem Weg zum naechsten Abenteuer. Ohne Probleme landeten wir nach einem Zwischenstop in Bogota, Columbien, am 29.10. um 5.00 Uhr morgens in Santiago... ein Shuttlebus brachte uns zum Busbahnhof, von wo aus wir einen Bus nach Valparaiso nehmen konnten. Total muede und ausgepowert haben wir Enzo und Martina( von der Villa Kunterbunt in Valparaiso) gerade zum Fruehstueck angetroffen und dann ging´s ab ins Bett, denn an Schlafen war im kleinen Flieger nicht zu denken! Die naechsten Tage haben wir auf unsere Motorraeder gewartet und dabei uns ein wenig an das andere Leben hier gewoehnt, an die andere Sprache, anderes Essen, die Einkaufsmoeglichkeiten usw...Ein paar spezielle Kochtips habe ich von Enzo und Martina gelernt, sowie einige der hiesigen Getraenke gekostet! Am 6.10. kam unser Schiff im Hafen von San Antonio an, wir hatten mit Enzo bereits den originalen Bill of Lading nach Bezahlung bei dem Zoll bekommen und konnten mit diesem am 8.10. zum sogenannten DRYPORT in San Antonio fahren und die Motorraeder abholen. Wir hatten uns hierfuer einen kleinen Pickup- Truck gemietet und gott sei Dank half uns Steve, der mit seiner Freundin Teri aus Californien kam, mit dem Transport...wir hatten soviel Kram dabei und die Kisten, dass wir wirklich nicht alles auf die Motorraeder, oder wenn nur mit Ach und Krach, bekommen haetten.. Es war ein richtiges Schauspiel, als unsere verpackten Kisten morgens aus dem Container gefahren wurden... von aussen sahen sie ganz gut aus, aber war noch alles drin? Nachdem wir die Einfuhrpapiere beim Zoll in San Antonio erledigt hatten, konnten wir wieder zurueck zum DRYPORT fahren und anfangen die Kisten auseinander – und die Motorraeder zusammen zu bauen. Staendig standen mindestens zwei oder drei chilenische Arbeiter um uns herum und beaeugelten sowohl unsere Kisten als auch die Bikes und unser vieles Gepaeck.... Keine zwei Stunden spaeter und mit Hilfe eines Gabelstaplers waren die Motorraeder wieder zusammengebaut und nun galt es den Motor laufen lassen.... Wuerden sie wieder anspringen? Die Honda nach etwas gutem Zureden, lief ohne Probleme an, aber leider nicht die Kawasaki, die Batterie hatte es die knapp 5 Wochen Ueberfahrt nicht ueberstanden und so mussten Enzo und Steve, Thomas auf der Kawasaki anschieben, damit sie lief.... Alles auf den Pickup gepackt und schon waren wir wieder unterwegs nach Valparaiso, wo wir eine neue Batterie fuer die Kawasaki besorgten und noch die letzten Vorbereitungen fuer die Weiterreise erledigten.

Am Samstag, den 11.10. sassen wir also wieder auf unserem Motorraedern und waren auf dem Weg nach Norden. Aus Valparaiso fuehrte eine schoene Kurvenstrasse die Kueste entlang, unterwegs wurden wir von einem Carabinieri am Strassenrand angehalten, der doch tatsaechlich unsere internationalen Fuehrerscheine sehen wollte. Da Thomas jedoch kein Wort verstand, gab er ihm erstmal unsere Fake-Fuehrerscheine und ich lenkte den guten Mann etwas ab und fragte nach der naechsten Campingmoeglichkeit.... Da hatte er genug und schickte uns einfach weiter....also immer nett und freundlich nach Hilfe fragen! Knapp 200km noerdlich fanden wir dann auch einen schoenen Platz zum Campen am Strand ....und konnten einen wunderschoenen Sonnenuntergang beobachten. Es wurde kalt und windig, deshalb sind wir schnell in unsere Schlafsaecke gekrochen... doch was fuer ein schoener erster Tag lag hinter uns. In der Ferne konnten wir die von dem Sonnenuntergang lila gefaerbten schneebedeckten Anden sehen!

Von der Sonne war am naechsten Morgen leider nichts mehr zu sehen, sondern nur Nebel und leichter Niesselregen, so dass wir kurzerhand einer Abzweigung ins Inland folgten. Ueber die naechste Bergkette und schon brachen die Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke wieder hindurch und wir fuhren auf einer wunderschoenen geteerten Kurvenstrasse in den Bergen. An einem Stausee bei Monte Patria bauten wir unser Zelt auf und genossen einen weiteren schoenen Abend mit chilenischem Wein. Der Weg fuehrte uns dann ins Elqui Tal und wir fuhren unsere erste Offroadstrecke in Chile. Serpentinen, Spitzkehren und einer teilweise heftigen & staubigen Schotterpiste fuhren wir 180km noerdlich durch wunderschoene Wuestenlandschaft... die Strasse war so eng und verschlungen, dass ich froh war, dass so gut wie kein Gegenverkehr oder Verkehr ueberhaupt war. Vorbei an kleinen Doerfen ging es ueber Hurtado, wo der Incatrail einmal lang ging, nach Vicuña, einer huebschen ruhigen Kleinstadt oestlich von La Serena.

Wir waren endlich wieder in der Wueste, dieses mal in der Atacamawueste und wir mussten die einzig moegliche Strecke nach Norden, die Panamericana fahren... fanden wieder einen netten Uebernachtungsplatz , einfach hinter dem naechsten Sandhuegel, den man von der Strasse aus nicht mehr sehen konnte. Zum Essen gab es Kartoffeln, Ruehrei und Mangold aus Rita´s Gemuesegarten in Vicuña. Es ist erstaunlich, mit wie wenig man auskommen kann, wenn man nicht viel erwartet... wir hatten lediglich 3 Liter Wasser dabei und haben Kochen und Aufwaschen und am naechsten Morgen noch Kaffee trinken koennen, aber die heisse Dusche im Hostel am Abend zuvor war richtig schoen...einem Wasserhahn, wo gleich heisses Wasser herauslaeuft... herrlich... manchmal muss man auch erst ne halbe Stunde warten, bis der Boiler das Wasser erwaermt hat und dann ist es warm, nicht heiss... wir sind schon teilweise ganz schoen verwoehnt in Deutschland.

Je weiter uns der Weg nach Norden fuehrte, desto mehr veraenderte sich die Landschaft, jeden Tag sahen wir etwas neues, von der Sand/Steinwueste mit gelben Gestein in die Steinwueste mit rotem Gestein, was fuer ein Farbenspiel umgab uns da.... Kurz vor Antofagasta erwischte uns der Wind so heftig, dass wir uns regelrecht dagegen stemmen mussten und uns wurde bewusst, dass es in Patagonien noch schlimmer sein soll und dass dann wirklich kein Zuckerschlecken sein wird.. aber bis dahin liegen noch einige Kilometer vor uns.

Die Kuestenstrasse entlang ging es die weiteren Tage nach Norden ueber Iquique nach Arica und dann oestlich nach Putre, was auf 3500m lag und wir vermutlich zu schnell nach oben gefahren sind, denn wir beide merkten am Abend im Hostel die Kopfschmerzen. Aspirin ohne Ende und mir ging es am naechsten Morgen wieder gut, leider Thomas noch nicht ( er hatte die ganze Zeit Kopf- und Gliederschmerzen, es fuehlte sich an wie eine Erkaeltung ohne Fieber), es dauerte drei Tage, bis er sich einigermassen wieder besser fuehlte. Ich bin dann alleine in den Park National Lauca gefahren und habe mir die schneebedeckten Vulkane und tuerkisblauen Seen und Lagunen angeschaut, meine ersten Vicuñas und Alpanacas in der freien Natur gesehen... was fuer eine Gegend, die Berge wurden im Vergleich zu der Wueste immer gruener, mit Moosflechten bedeckt und kleine Baeche schlaengelten sich im Tal entlang.Die Strasse zum Lake Chungara wurde zwar immer holpriger und mit mehr Schlagloechern versehen, dafuer war der Ausblick einmalig auf die schneebedeckten Vulkane.

Bei 4500 m ging auch mir die Luft langsam aus und die Kawasaki liess ich bei jedem Foto, was ich machte, laufen, in der Angst, dass sie bei der Hoehe nicht mehr anspringen wuerde... aber die Fahrt hatte sich fuer mich sicherlich gelohnt. Was fuer eine Landschaft, strahlend blauer Himmel und Sonnenschein!

Nachdem es Thomas besser ging, sind wir dann ueber Arica zurueck nach Sueden, nach San Pedro de Atacama (2500m) gefahren. Durch teilweise nichts als Wuestenlandschaft links und rechts, kilometerlang nur Strasse durch die Wildniss und vorbei an getrockneten Salzseen und Sand... nach knapp zwei Wochen unterwegs kamen wir in San Pedro an, wo wir uns einen Tag erholten, das Valle de la Luna bei Sonnenuntergang durchfuhren, wie leider soviele andere Tourbusse mit Hunderten von Touristen ebenfalls.

Am Samstag fuhren wir weiter nach Socaire (3600m) suedoestlich von dem Salar de Atacama und trafen dort auf Steve und Teri mit ihrem Landrover ... wir fuhren gemeinsam nach Peine (2400m), einem kleinen Dorf oestlich des Salars, das mit einem natuerlichem Schwimmbecken versehen war. Herrlich, wir nahmen ein Bad und erfreuten uns der Sonne und der Wueste, haetten wir gewusst, was uns in der Nacht erwarten wuerde, waeren wir sicher schnell wieder weitergefahren! Aber nein, wir stellten unser Zelt kurzerhand vor dem Eingang der Piscina auf und hatten einen gemuetlichen Abend mit lecker Spaghetti und Wuerstchen und Rotwein, den wir von einem aelteren Mann im Dorf abkaufen konnten.

Relativ zeitig gingen wir ins Bett, denn sobald die Sonne in der Wueste untergegangen ist, wird es kalt und kurze Zeit spaeter fing die Musik auch an zu spielen... genau neben uns war ein Fussballfeld, dass als Partyplatz umfunktioniert wurde. Den ganzen Nachmittag wirkte das Dorf wie ausgestorben, kaum einen Menschen trafen wir auf den vereinsamten Strassen und kaum war die Sonne untergegangen schienen an die zwanzig Jugendliche aus ihrem Zuhause aufzutauchen, um direkt neben uns Party zu machen. Die Musik, nicht gerade leise, sondern moeglichst auf voller Lautstaerke und mit droehnenden Bass, lief bis knapp 4 Uhr morgens.... sodass an Schlaf in dieser Nacht ueberhaupt nicht zu denken war... willkommen in Chile, das erinnerte mich doch stark an Mexiko!

Am naechsten Morgen fuhren wir dann gemeinsam zurueck nach San Pedro, wo wir zwei weitere Tage und weitere Reisende, Bernd und Marion aus Hamburg in ihrem Toyota Landcruiser, kennenlernen und eine schoene gemeinsame Zeit verbringen sollten.

Es hiess nach dieser kurzen Zeit sich wieder verabschieden und Thomas und ich waren auf dem Weg nach Argentinien, ueber den 4200m hoen Paso de Jama, der Anstieg erreicht teilweise 4835m Hoehe. Leider hatte die Honda hier echte Schwierigkeiten, bei 3500m fing sie schon am Auspuff an zu qualmen und nur muehsam und sehr sehr langsam kamen wir voran, Thomas durfte nicht anhalten und seinen Schwung verlieren, andernfalls haetten wir die Honda wohl anschieben muessen!!!

Schlussendlich waren wir wirklich gluecklich, waren ueber den Pass drueber und die Visa und Einfuhrangelegenheiten waren innerhalb von einer halben Stunde erledigt. Erstaunlicherweise, ohne Probleme, keiner hat auch nur ein genaueres Auge auf die Motorraeder geworfen, geschweige denn die Rahmennummer mit den Papieren verglichen... manchmal kann es doch wirklich einfach gehen. Rueckblickend muss ich sagen, dass wir bisher bei keinem Grenzuebergang mit den Motorraedern Schwierigkeiten hatten... toi toi toi! Willkommen in Argentinien, wo uns leider auch der Nebel empfing! Der steile Abstieg ueber die engen Serpentinen wurde durch den kalten Nebel & Wolken etwas erschwert ... unten auf nur noch 2000m waren wir total fertig und haben uns fuer ein kleines Motel entschieden. Am naechsten Morgen hat uns die Ruta 9 (wunderschoene Bergstrecke) nach Salta (470000 Einwohner) gefuehrt, wo wir in einem Backpacker Hostel untergekommen sind. Hier standen einige Arbeiten und organisatorische Dinge, fuer unsere Weiterreise durch Argentinien, an!