Kanada Teil 1

Wir verbrachten eine entspannte und tolle Zeit mit den Luhowy's in Victoria und nach eine Woche brachen wir am Samstag nach Norden auf. Unser Ziel war die Faehre von Nanaimo nach Horseshoe Bay auf dem Festland. Niesselregen erwartete uns in Nordvancouver, als wir von der Faehre nach Deep Cove zu Peters Haus fuhren. Peter hatten wir bereits im letzten Jahr in Neufundland kennengelernt, als wir uns vor dem Regen an einer Tankstelle in Sicherheit brachten ... die naechsten Tage bei Peter sollten aber alles andere als Regen, sondern Sonnenschein bringen. Wir verbrachten die meiste Zeit auf Peter's Balkon, genossen die Sonne und warteten auf die Ersatzteile von Kawasaki und die Reifen fuer Thomas' Honda.

Gleich am ersten Abend fuhr Peter mit uns durch die Gegend und zeigte uns Teile des reichen Viertels von Vancouver, mit einem Wahnsinnsblick auf die Stadtmitte von Vancouver... Es war beeindruckend, vom Berg auf die Hochhaeuser der Stadt zu blicken, beleuchtet und angestrahlt von der untergehenden Sonne, die sich langsam in gluehendes Rot verwandelte, hinter den Bergen von Vancouver verschwand und sich dabei die Wolkendecke herum in ein unglaubliches Lichtspektakel verwandelt... solche Augenblicke sind es, die wir zu Hause meist missen, weil wir zu beschaeftigt mit den alltaeglichen Banalitaeten sind, wie Abendessen, Fernsehschauen oder vielleicht sogar noch arbeiten...ich bin froh, dass mir nicht nur zwei Wochen Urlaub zur Verfuegung stehen, um diese Augenblicke zu geniessen, sondern jeden Tag, den wir auf dieser Reise verbringen, egal wie lange sie auch dauern mag...

Peter zeigte uns ein wenig die Gegend von Vancouver, fuehrte uns in den Lynn Canyon mit einer Haengebruecke und half uns die Kisten fuer die Verschiffung zu organisieren. Nach knapp 10 Tagen hatten wir zwei Metallkisten, wie wir sie bereits im letzten Jahr fuer die Verschiffung nach Halifax genutzt hatten, und sowohl die Reifen als auch die Ersatzteile waren gut bei Peter untergestellt. Die Kisten gab uns ein freundlicher Suzuki Haendler, bei dem wir nachgefragt hatten. Kurzerhand auf Peters Auto gebunden und zu ihm nach Hause gefahren. Damit war erstmal alles besorgt, damit wir Ende August die Motorraeder nach Chile verschiffen koennen. Wir hatten zunaechst ein Angebot fuer die Verschiffung nach Peru, als wir aber nochmals genau nachfragten und den Auftrag bestaetigen wollten, stellte sich heraus, dass der Preis um knapp $ 500 in die Hoehe gegangen war. Also mussten wir erneut herumtelefonieren und wir haben uns nun entschieden, mit einer anderen Gesellschaft die Motorraeder Anfang September nach Chile, genauer gesagt nach San Antonio zu verschiffen. Eine genaue Route fuer Suedamerika steht noch laengst nicht fest, da wir uns momentan noch mit Canada beschaeftigen und nicht in Gedanken bereits in Suedamerika sein wollen, um dabei das Schoene hier nicht richtig wahrzunehmen...

Und dies taten wir dann auch, als wir am Mittwoch, den 16.07.08 wieder losfuhren in Richtung Nordosten, wo wir in Ashcroft mit Miles verabredet waren. Es war ein langer anstrengender Tag und waren total erschoepft, als wir in Ashcroft auf dem Campingplatz fuhren. Jedoch aenderte sich dies sofort, als wir Miles wiedertrafen, der bereits auf uns wartete und gleich fuer uns Hamburger grillte... er hatte nicht mehr seine alte Honda Goldwing, mit der er letztes Jahr quer durch Kanada nach Neufundland fuhr und wo wir ihn auf der Faehre trafen, sondern er fuhr eine gelbe Kawasaki mit schoen viel Crom.

Nach einer kurzen Nacht, gleich neben unserem Zeltplatz verlief die Hauptverkehrsstrecke fuer die kanadische Eisenbahn, ging es mit einem deftigem Fruehstueck (Eier und Speck) in ein neues Abenteuer, einer Fahrt mit Miles gen Norden in das Caribou-Country.

Wir fuhren den ganzen Tag und wurden einmal derart vom Regen ueberrascht, dass wir nur noch in ein Strassenkaffee in der Mitte vom Nirgendwo fluechten konnten. Kaum 10 Minuten spaeter war der Himmel wieder klar, was sich allerdings auch nur fuer kurze Zeit herausstellte. Als wir in Quesnel ankamen und es immer noch nach Regen aussah, entschied Miles, wir schlafen heute nacht in einem Hotel und buchte und bezahlte fuer uns die Zimmer....unglaublich. Am naechsten Tag verbrachten wir einen Touristentag in der alten Goldminenstadt Barkerville. In der Mitte der Caribou-Landschaft umgeben von Bergen und gruenen Waeldern fand Billy Baker Gold und so entwickelte sich eine richtige Goldgraeberstadt, die mittlerweile als reine Touristenstadt mit Pferdekutschenfahrt, altem Theater, Schulgebaeude, Kirche und Personen, die wie damals gekleidet durch die Stadt laufen und man sich in die Zeit des Goldrausches zurueckversetzt fuehlen soll... gegen Abend bauten wir dann unser Zelt in der Naehe in einem Provincial Park auf und wir verbrachten wieder einen netten Abend gemeinsam mit Miles. Als es allerdings so kalt wurde, dass ich meinen Atem sehen konnte, verkroch ich mich ins Zelt und am naechsten Morgen ging es ausgeschlafen weiter in Richtung Sueden, in Richtung Okanagen Valley.

Miles hatte uns eine super schoene Strecke zum Motorrad fahren ausgesucht, wenig Verkehr und einige Kurven mit herrlicher Kulisse und ploetzlich nach der naechsten Kurve stand ein Schwarzbaer vor mir auf der Strasse - ich bremste ab und er sah mich direkt an, als ob er ueberlegen wuerde, was er nun tun soll... links oder rechts ausweichen, angreifen oder doch lieber schnell den Berg hinauf ins Sichere klettern... er entschied sich fuers letztere und Miles warnte mich anzuhalten, um Fotos zu machen, denn er hatte zuvor zwei Babies entdeckt und man weiss nie, wie der Baer reagiert, wenn er sich angegriffen fuehlt. Da ein Baer bis zu 60km/h schnell rennen kann, hab ich das Risiko mal nicht eingenommen. Wir fuhren weiter und ich konnte meine Gedanken kaum auf die Strasse konzentrieren, hatte ich doch gerade die Begegnung mit einem Schwarzbaeren hinter mir... Im Rueckspiegel sah ich, wie Thomas den Kopf schuettelte, scheinbar ging ihm das ganze Ereignis auch noch durch den Kopf, als wir am Fluss entlang in Richtung Osoyoos fuhren. Durch Rebengaerten fuhren wir auf dem Highway 5 und kamen schlussendlich im Geburtsort von Miles in Osoyoos an. Osoyoos ist bekannt fuer seine Wein- und Obstplantagen und wir verbrachten 2 ruhigere Tage am Lake Osoyoos, genossen die Sonne und die gemeinsame Gesellschaft. Als es zu regnen in Osoyoos, der Stadt mit der niedrigsten Niederschlagsmenge, anfing, packten wir unsere Sachen und fuhren ueber die Berge in Richtung Kelowna und danach noerdlich nach Vernon... unser Ziel war der Toadrockcampground in der Naehe von Nelson , wo wir am Wochenende vom 25.-27.07. auf dem MRT eingeladen waren. Wir kamen am Donnerstag auf dem Toadrockcampingplatz an und gingen Abends mit Miles in die Aintworth Hot Springs, die kaum 10 km noerdlich liegen... was fuer ein Ausblick aus dem Chalet auf die Berge, als wir unser teures Essen einnahmen... man bezahlte fuer den Ausblick mit... aber die Hot Springs selbst lohnten sich wirklich, ein warmes Badebecken und Hoehlen mit heissem Quellwasser...die Hoehle war leicht beleuchtet und man konnte sich die einzelnen kleinen Stalagmiten und Stalactiten ansehen waehrend man im heissen Wasser seine Knochen entspannte...

Das MRT, Motorradreisetreffen, wurde von Wolfgang und seiner Freundin Anny organisiert. Thomas und Wolfgang kennen sich schon seit mehreren Jahren, da Wolfgang das MRT in Deutschland, in Gieboldehausen, organisierte und Thomas dorthin schon seit Jahren faehrt und sich stets die Reiseberichte anderer anschaute... nun waren wir auf dem Motorradtreffen in Kanada und hielten den ersten Vortrag ueber unsere Reise... ich hatte ein paar Bilder von der Webseite herunterladen koennen und zu einer kleinen Praesentation zusammenstellen koennen und nun zeigten wir unsere Bilder am Freitagabend im Gemeinschaftszelt... insgesamt war es ein tolles Wochenende, denn wir trafen auf viele neue Leute, alte Bekanntschaften und Freunde und hatten einfach nur Spass gemeinsam. Nicht nur wir hielten eine Praesentation, sondern auch Doris, die ihr Buch "Unlimited Spirit" vorstellte, sie ist selber 3 Jahre mit dem Motorrad um die Welt gereist... und Ted Bishop, der sein Buch "Riding with Rilke" auf eine sehr anregende lustige Art praesentierte... Bei den Gespraechen mit den beiden und anderen Reisenden, stellen wir immer wieder fest, dass das, was wir machen eigentlich nichts besonderes mehr ist... alleine als Frau um die Welt, das nenne ich Mut... und ob ich den gehabt haette ...? Ich bezweifle es ein wenig, aber dennoch, fuer uns ist klar, dass dies eine tolle Erfahrung ist, die wir machen... manchmal ist es schoen zu wissen, dass wir nicht die einzig Verrueckten sind, die mit den Motorraedern die Welt erkunden...

Wir verbrachten den Sonntag noch gemeinsam mit Anny und Wolfgang, bevor es am Montag gemeinsam auf den Weg nach Bellevue zu Miles ging. Obwohl die Zeit mit Anny und Wolfgang so kurz war, haben wir die beiden total ins Herz geschlossen und die Verabschiedung am Dienstag morgen fiel uns nicht einfach... sie fuhren weiter nach Hause, nach Edmonton und wir blieben bei Miles und verbrachten eine weitere Woche mit den Vorzuegen eines Hauses, einer Kueche und Bad... Fernseher, Internet usw... auch so vergeht die Zeit, wir haben die Motorraeder ein wenig auf Vordermann gebracht und bei der Honda leider feststellen muessen, dass die Vergasermembran des hinteren Vergasers einen Riss hatte... es wurde mit Silikonkleber notduerftig repariert und wir warten nun auf die Ersatzteile aus Deutschland... dennoch wollten wir nicht die Schoenheiten von British Columbia und Alberta vermissen und fuhren nach einer Woche in Bellevue gemeinsam mit Miles und seinem Sohn John in Richtung Norden zum Banff und Jasper National Park... es sollte eine kleine Rundreise durch den Westen von Alberta werden... und wir gaben sicherlich ein lustiges Bild ab, zwei Dualsport Motorraeder, eine Rennmaschine und eine Kawasaki Vulcan, was eher einem Cruiser aehnelt... drei Motorraeder voll beladen und John nur mit einem leichten Rucksack bepackt, denn seine gesamte Campingausruestung fand auf Miles' Motorrad Platz.

Gemeinsam ging es fuer uns auf dem Highway 22 nach Norden in den Banff National Park. Wir fuhren zunaechst auf der Highway 1 (Trans-Kanada-Highway) durch den National Park und bogen kurz vor Lake Louise auf eine Seitenstrasse und dort sahen wir auch unseren ersten Schwarzbaer am Strassenrand - unglaublich, er schenkte der Zuschauermasse, die sich langsam gebildet hatte, ueberhaupt keine Beachtung und trottete sich seinen Weg durch das Gebuesch auf der Suche nach Futter... was fuer ein Erlebnis, kaum 15 m von uns entfernt. Am naechsten Morgen ging es gut gelaunt weiter nach Norden, der Jasper National Park war unser Ziel und dies bedeutete nach Norden auf dem Icefields Parkway...was fuer eine Natur. Kaum hatten wir den Anblick vom Lake Louise und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund verdaut, schon ging es vorbei an Bergketten, die so hoch ragten, dass ich mich konzentrieren musste, auf die Strasse zu schauen, anstatt auf die Felsen... atemberaubend! Dann lag auch schon der erste Gletscher auf unserem Weg und ich verstand allmaehlich warum es der Icefields Parkway genannt wird. Mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, wie schoen sich die Felsen mit dem Eis als Gletscher darstellt und wie klein und unbedeutend man sich vorkommt, wenn man ueberlegt, wie lange doch eigentlich diese Natur schon besteht und sich langsam immer mehr veraendert...globale Erwaermung ist auch hier zu spueren. Ich bin froh, dass ich dies alles noch so sehen konnte, wie es momentan ist... alle 100 m mussten wir anhalten, weil ich unbedingt fotografieren wollte ... nach jeder Bergkuppe war ein anderes spektakulaeres Motiv zu sehen ... ich hab meine Reisebegleiter ganz schoen aufgehalten, aber ich musste jede Szenerie einfach bewusst wahrnehmen. Tiefe tuerkisblaue Seen mitten im Gruenen, dahinter ragen sich majestaetisch die Berge auf, die teils mit Schnee und Eis bedeckt sind, teils ohne aber dennoch genauso beeindruckend. Wir hatten herrliches Wetter, strahlendblauer Himmel und Sonnenschein... wir bauten unser Zelt in Whistlers in der Naehe von Jasper auf und konnten dann auch Bekanntschaft mit einer Elchkuh machen ... Wildlife hautnah!

Am naechsten Tag ueberredete uns Miles mit der Jaspergondola zu fahren und ich hatte zunaechst meine Bedenken, da es zuvor geniesselt hatte und eine dichte Wolkendecke ueber uns hang...aber als wir mit der Gondel in 7 Minuten die 1000m ueberwunden hatten, brach der Himmel ein wenig auf, die Sonne kam durch und wir hatten einen atemberaubenden Blick ueber die Rocky Mountains, das Jasper Tal mit seinem querdurchfliessenden Fluss und die Stadt Jasper. Wow! Am Nachmittag trafen wir dann Wolfgang in Jasper wieder, der gerade Freunde aus Deutschland zu Besuch hatte und Thomas und ich schlossen uns einem Ausflug zum Edith Cavell Mountain an.... So fuhren wir gemeinsam mit Wolfgang und seinen Freunden die etwas holprige Strasse zum Mountain, der sich als ein mit Gletscher bedeckten Berg herausstellte. Am Fusse des Berges hatte der Gletscher einen See mit Schmelzwasser gebildet, worin kleine Eisberge, die herabgebrochen waren, schwammen... was fuer eine Natur. Unsere Wanderung dorthin hatte sich wirklich gelohnt, vor allem als wir uns dann doch in die Eishoehle am Fusse des Gletschers unterhalb des Wassserfalles wagten.... niemand weiss, wie lange so eine Hoehle die Tonnen ueber einen haelt... aber nichts passierte, dieses mal...

Wir verabschiedeten uns wieder von Wolfgang und fuhren am naechsten Tag in Richtung Sueden aus dem National Park heraus auf dem Trans-Kanada Highway. Wir hielten in Fairmont an, um die Hot Springs zu nutzen und fuhren danach gemuetlich weiter auf den Weg nach Bellevue. Kurz vor Cranbrook sahen wir vor uns eine dunkle Regenwolke und ich dachte schon, ohje es faengt gleich zu regnen an.. und da passierte es auch schon, peng, 25 m neben Thomas schlug ein Blitz in die Hochspannungsleitung ein, die Leitung explodierte und ein Feuerball erschien, der nach kurzer Zeit wieder erlosch... Ich sah nur, wie Thomas zu mir nach hinten schaute und den Kopf schuettelte, ich dagegen fasste mir nur ans Herz, denn das raste auf einmal so schnell... ich weiss nicht, ob es die Angst um Thomas, einen erneuten Blitzschlag oder einfach nur die gewaltige elektrische Spannung, die sich entlud, war, aber ich war froh, als wir nach 500 m in eine Tankstelle einbogen und anhielten... wuff... von einer auf die anderen Minute kann es passieren und wir wissen nicht wann... dieses mal war ich es die um Fassung ringen musste und nicht Thomas, der mich schon wieder im Rueckspiegel vermisste...  Selbst Miles, der 100m hinter uns fuhr, war von der Wucht des Einschlages und dem ganzen Ereignis etwas geschockt...und meinte nur: "das erlebt man bei Hesselgraves Reisen, sinflutartiger Regen und Hagel in der Caribou-Country, Blitzeinschlag in den Kootenays..." zumindest hatten wir den Humor nicht verloren .. und so ging es weiter nach Bellevue, wo uns am Abend ein warmes, weiches Bett empfing und wir die Ereignisse und Eindruecke der letzten Tage verarbeiten konnten.