Argentinein Teil 1

Die drei Tage in Salta gingen schnell vorbei, wir fanden leckeres Essen auf dem Wochenmarkt und konnten das Internet im Hostel lange nutzen, Motorraeder waschen lassen, Oel und WD40 kaufen usw. die wichtigen Dinge, die man halt in ner Stadt mal erledigen kann. danach ging es fuer uns auf den Weg nach Sueden, die Route 40 ueber Cachi nach Cafayate. Wir fuhren also bereits im Norden die beruehmt beruechtigte Ruta 40 und das hiess Schotter und Offroadfahren fuer mehrere hundert Kilometer, anstrengend, aber was fuer eine herrliche Landschaft tat sich links und rechts neben uns auf. Es war so still und ruhig, ab und zu ein Auto, aber nichts im Vergleich zur Geschaeftigkeit in der Stadt, keine Hektik, kein Laerm. erst hingen dicke Wolken ueber den Bergkaemmen, aber nachdem wir ueber den Pass drueber waren, fuhren wir auch schon wieder in der Sonne. Die gruenen Berghaenge versteckten zwischendurch graues und rotes Gestein, die kurvige Strasse fuehrte uns nach Chachi, ein Ort, der schon vor der Inca Zeit entstanden war. In der Ferne konnten wir bereits wieder die schneebedeckten Gipfel der Anden sehen und links und rechts schossen Kakteen aus der Erde empor, was uns ein bisl an Mexiko erinnerte. Ne superschoene Strecke aber sehr sehr anstrengend, den ganzen Tag Sonne, Hitze und Staub, vor allem sehr viel Staub. wir machten ab und zu Pause, tranken etwas und fuhren im Staub weiter und kamen zu einer Bergkette mit wunderschoenen abgeschliffenen, geformten und uebereinandergeschobenen Felsen und Gesteinsformationen. In Cafayate angekommen, stellten wir auf dem Campingplatz wieder fest, dass wir immer noch sehr verwoehnt sind, denn wir haben doch wirklich erwartet, fuer unser Geld auch noch ne heisse Dusche zu bekommen.. es lautete nur: agua caliente hasta 7 de las tarde und dann war es leider nicht heiss, sondern leider lauwarm. gott sei dank, war es Anfang November bereits warm im Norden von Argentinien, dass wir auch mit einer lauwarmen Dusche zufrieden waren. dabei stell ich mir aber immer wieder vor, wie gut wir es doch wirklich in Deutschland haben, man braucht nicht bis abends warten, um heisses Wasser zu haben oder wie wir auch oefters erlebt haben, extra noch Feuer machen, damit das Wasser erhitzt wird, sondern man dreht einfach den Wasserhahn auf und warmes, ja heisses und vor allem sauberes Wasser kommt selbstverstaendlich heraus. Nach zwei Tagen Cafayate ging es entspannt weiter und schon wieder kam das Schild cuidado, fin de pavimento was uns weiter 150 km Offroadfahren andeutete. an diesem Tag fuhren wir allerdings an einem grossen Schild vorbei, dass Bagnos termales anpriessen und wir liessen uns verleiten, einen Abstecher zu machen, der uns durch einen Fluss hindurch und zu einer engen Schotterpiste mit Serpentinen fuehrte. Ein wenig verborgen, fast auf der Spitze des Berges, ganz idyllisch, fanden wir einen kleinen Wasserfall, der aus den heissen Quellen stammte. Inmitten einer Bergkette befanden sich ein paar alte halb abgerissene Haeuser, wobei eine mit einer Badewanne und einem Wasserhahn versehen war, aus dem heisses Quellwasser herausfloss. Genial, wir hatten unser Schlafplatz fuer diese Nacht gefunden, wir stellten unser Zelt auf und genossen ein ausgiebiges Bad im warmen Wasser, denn obwohl es tagsueber sehr warm war, kuelte es nachts doch ziemlich ab, so dass wir auch schnell in unsere Schlafsaecke krochen und denTag Revue passieren liessen, um dann mit einem zufriedenen Laecheln einzuschlafen, wieder bin ich mehrere km Schotterpiste gefahren, ohne hinzufallen und ohne, dass etwas von unseren Motorraedern kaputt ging . Mit einem tollen Sonnenaufgang um 6.00 Uhr morgens begann langsam der naechste Tag. Die Sonnenstrahlen schoben sich langsam durch die Wolken und liessen die Bergkette ergluehen. was fuer eine Umgebung, um einen neuen Tag zu starten. Dieser sollte jedoch ziemlich lang werden, denn fuhren auf der Rute 74 nach Sueden und wollten in San Augustin de la Valle Fertil auf einem Campingplatz uebernachten, der in unserem Reisefuehrer als lovely spot on the river beschrieben war. Dabei mussten wir 8 mal durch ein und denselben Fluss fahren, der sich superschoen durch das Tal schlaengelte, nur leider stellte sich heraus, dass an der Stelle des Campingplatzes ein Huehnerstall getreten ist und ich nicht mal freiwillig auf die Toiletten gegangen waere, da ist es in der Natur noch am hygienischsten und der Fluss hatte an der Stelle sich mehr zu einem Baechlein entwickelt.da hatten wir es wieder. ich erinnere mich, da war doch etwas in Mexico. wir legten also wieder einmal den Reisefuehrer weg und fuhren der Nase entlang, genug Wasser fuer einen Tag hatten wir dabei und so schlugen wir unser Lager in der Umgebung auf, wo es einen Zugang zum Fluss hatte, konnten darin baden gehen und als wir am naechsten Morgen erwachten, trabte gerade ein Gaucho mit seinem Pferd an uns vorbei.

Es ging weiter suedlich, jeden Tag, unser Ziel war Azul, wo wir unbedingt, Jorge oder auch Pollo genannt besuchen wollten. Thomas kannte die Posta del Viajero en moto (ein Ort fuer Motorradreisende, die sich dort wie zu Hause fuehlen koennen, man wird sehr sehr herzlich begruesst) bereits aus dem HU- Forum, ich jedoch hatte ueber ihn von Eric und Gail in Oregon erfahren, die ebenfalls in Suedamerika mit ihrem Motorrad diesen Platz gefunden hatten. Kurz vor Azul, genauer gesagt in Bolivar, noerdlich von Azul, passierte es wieder.. Thomas stoppte ploetzlich und fuhr auf den Seitenstreifen. kam zu mir gelaufen und zeigte mir den Stachel einer Biene, der immer noch in seinem Hals steckte. ich zog ihn heraus und begann langsam den Epipen herauszuholen. Thomas meinte nur, es ginge ihm gut, und beim letzten mal waere er ja von einer Wespe gestochen worden, er sei sicher nicht auch gegen diese Bienen hier allergisch. gerade in dem Moment, wo ich den Epipen herausholte, wurde ihm auch schon schwindelig und er fiel um. oh je. nicht schon wieder, ich war so in Panik, dass ich mir nicht die Zeit nahm, um die Bedienungsanleitung fuer den Epipen richtig durchzulesen, also zog ich den Sicherheitsverschluss ab und nahm den Stift in die Hand und presste ihn mit voller Wucht in Thomas Oberarm, leider hatte ich dummerweise meinen Daumen auf dem anderen Ende gesteckt und faelschlicherweise angenommen, dass die Nadel auf dem Ende ist, wo der Sicherheitsverschluss befestigt ist. warum sonst sollte der Verschluss dort sein? Aber nein, ich musste doch schmerzhaft feststellen, dass sich die Nadel am Ende befand, dass ich mit meinem Daumen umklammert hielt. Autsch. vor lauter Ueberraschung zog ich meinen Daumen schnell weg und steckte Thomas die richtige Seite nochmals in den Arm, aber scheinbar war die ganze Medizin bereits an mich verschwendet, denn er lag immer noch am Boden. was nun.. die Notfallmedizin war weg, wir hatten kein Telefon, also lief ich sobald ein Auto oder LKW kam auf die Strasse und versuchte zumindest eine Person anzuhalten, die ersten 5/6 Autos fuhren einfach vorbei und zeigten mir noch den Finger.. unglaublich, dass war ne Erfahrung, mit der ich nicht in Argentinien gerechnet hatte..wir hatten jedoch Glueck, ein paar Minuten spaeter stoppte ein Auto und rief den Notarzt, der dann kaum 3 Minuten spaeter auch schon kam, denn Bolivar war kaum 2 km entfernt. also wurde Thomas erneut im Krankenwagen zum Krankenhaus transportiert und ich fuhr auf Thomas Honda zum Krankenhaus, waehrend ich nur hoffte, dass der Polizist, der auf meinem Motorrad fuhr, es nicht kaputt machte. ich musste ihm vorher noch erklaeren, wie man schaltet und hatte schon echt Bedenken, aber die andere Alternative waere gewesen, es dort am Strassenrand stehen zu lassen. nein nein, nicht mein gutes Motorrad. Als wir an der Polizeikontrolle vorbeikamen, die kurz vor der Stadt war, machten die Kollegen Fotos von meinem Polizeibeamten mit ihren Handykameras. die Sensation fuer ihn am heutigen Tage, vermutlich hat er bisher noch nie so ein grosses Motorrad gefahren, denn selbst die Kawasaki mit 650 cc ist hier ein grosses Motorrad, was hier fast den dreifachen Wert hat, als in den USA oder Europa. durch die Einfuhrzoelle sind Motorraeder hier extrem teuer, man muss schon super gut verdienen, um sich diese leisten zu koennen. Naja zurueck zum Krankenhaus, Thomas bekam drei Stunden lang eine Infusion, aber erst nach ½ Stunden die richtige Medizin, denn dann fing er an, einen schrecklichen Juckreiz und Ausschlag zu bekommen, so dass der Arzt dann doch mal die Medizin verordnete. aber alle waren sehr sehr nett und ich konnte sofort zu Thomas, nachdem ich ein Gespraech mit dem Arzt hatte, ich und die Motorraeder kamen auch sicher im Krankenhaus ein paar Minuten spaeter an. Thomas ging es langsam immer besser und nach knapp 3 Stunden konnten wir weiter fahren. wir ueberlegten, ob wir ueber Nacht in Bolivar uns ein Zimmer suchen sollten, entschlossen uns aber gleich die letzten 80km weiter zu fahren nach Azul, obwohl wir nicht wussten, was uns dort erwartete. In Azul wurden wir herzlich von Jorge empfangen, der sich freute, wieder ein paar Deutsche Gaeste zu haben, wir parkten unsere Motorraeder im Innenhof, er zeigte uns die Kueche und Bad und wo wir unser Zelt aufstellen konnten, erst war ich ein wenig ueberrascht, denn auf der Wiese liefen ueberall Huehner herum, sollten wir unser Zelt wirklich dort aufstellen? Ja und das machte auch nichts, denn wir wurden so nett von Jorge und Monika, seiner Frau, begruesst, dass wir dankbar ueber unseren Schlafplatz waren..