USA der Osten Teil 3:

Nachdem wir ein guenstiges Hotel in Daytona Beach gefunden hatten, haben wir kurzerhand drei Tage dort verbracht und es einfach genossen, in einem Bett zu schlafen. Das nächste Ziel war uns aber klar, wir wollten weiter südlich zu den Inseln... Sonne, Strand und Meer... die Key Islands!

Wir sind den ganzen Tag durch Sumpfgebiet gefahren und nicht entlang der Küste, denn wir wollten uns das Verkehrschaos um Miami City ersparen. Die Natur veränderte sich schon wieder. Wir fuhren entlang von Gras bewachsenen Wasser, kahle merkwürdig aussehende Bäume, falls man sie noch als Bäume bezeichnen konnte, sahen aus wie riesengrosse Zahnstocher nebeneinandergereit. Merkwürdig skuril. Leider konnte ich nicht viel sehen davon, da mein linkes Auge etwas entzündet war und ich nur mit einem Auge wirklich sehen und fahren konnte... War der Anblick deswegen so skuril? Mein Auge hatte den ganzen Tag getränt, aber das war gut so, denn es heilte dadurch. Gott sei Dank ist Thomas immer voraus gefahren und ich konnte gemütlich hinterher kutschieren. So haben wir dann gegen 18.00 Uhr auch endlich den State Park von Long Key Island erreicht, unser Zelt in den Wind gestellt und einen superschönen Sonnenuntergang direkt am Wasser genossen. Mir hat unser Zeltplatz super gefallen, leider war es Florida entsprechend, sehr sehr warm und so verbrachte ich den ganzen nächsten Tag im Wasser. Herrlich!!!

Die Gedanken an ein "nach der Reise" verdränge ich für heute, die Fragen die sich immer wieder einschleichen... die Gedanken an Kommilitonen, die scheinbar alle glücklich sind in ihren juristischen Berufen... und was mache ich mit knapp 30 Jahren... fahre mit dem Motorrad durch die Lande, anstatt an Karierre zu arbeiten.... der Tag am Atlantik ist viel zu schön, um sich durch diese Gedanken ablenken zu lassen !

Am nächsten Tag hiess es bereits weiterfahren durch die Everglades National und den Big Cypress Park. Herrliche Sumpflandschaft links und rechts von der Strasse... leider gab es kaum Haltemöglichkeiten ohne mitten auf der Strasse zu stehen. Ein Teil des Everglades National Park ist als Indianer Reservat ausgewiesen und ein wenig davon konnte man am Strassenrand erkennen. Wir fuhren und fuhren und fuhren 350 km und waren bereits wieder aus dem Park raus.

  

Die nächste Stadt in der wir eigentlich eine Schlafmöglichkeit suchen wollten, war alles andere als ein Naturpark, sondern ein reicher Küstenort mit Häusern, die aussahen wie Paläste sogar teilweise mit eigenem Yachtanlegeplatz. Es dauerte wieder eine Stunde, bis wir die nächste Schlafmöglichkeit gefunden hatten und wir fuhren an der Küste entlang nach Norden. An diesem Tag waren wir knapp 500 gefahren und ich war einfach nur müde und geschlaucht. Dementsprechend wenige Kilometer wollte ich am nächsten Tag fahren und als hätte mich jemand gehört.... als wir in Port Charlotte auf einen Supermarkt fuhren, hab ich mich gewundert, da war nicht nur Thomas sondern noch ein weiteres Fahrzeug in meinem Rückspiegel. Jack hielt neben uns und fragte, ob wir nicht Lust hätten mit zu ihm nach Hause zu fahren oder ob wir ein anderes Ziel hätten. Wir wurden zu einer Übernachtung mit Bett eingeladen und ich war so froh...

Unglaublich Jack und Beverly waren unsere super freundlichen Gastgeber für 5 herrlich entspannte und lustige Tage. Jack, selbst BMW Fahrer ist in seiner Jugend auch viel mit dem Motorrad gereist und hat alle Staaten der USA mit seinem Motorrad erkundet. Wir haben viel erzählt und erfahren, viel gegessen und getrunken, den Swimmingpool genossen und hatten einfach nur eine super Zeit mit den beiden und einer guten Freundin von ihnen, Dodie.

 

  Als wir am Samstag abend zum Abschied noch in eine Sportsbar gingen und etwas Bier bestellten, hat mich die nette junge Dame an der Bar doch tatsächlich nach meinem Ausweis gefragt. Gut - Thomas ist etwas älter als ich, aber sehe ich wirklich jünger wie 21 Jahre aus? Ich habe ein Studium und Auslandsaufenthalte hinter mir, aber mich hat noch nie jemand nach meinem Ausweis gefragt, nicht mal als Teenager zu Diskozeiten... Amerika!!! Das Bier war lecker und die Cocktails danach ebenfalls... leider war der letzte Bulldog (White Russian mit Cola) zuviel und die Abreise am nächsten Tag musste verschoben werden. Wir verbrachten einen weiteren super schönen Tag bei Jack und Beverly und verabschiedeten uns am nächsten morgen nur schweren Herzens von ihnen.

 

Es war Montag, der 15. Oktober. Wir sind nun schon drei Monate unterwegs und es kommt mir immer noch so vor, als ob wir gerade erst mit der Reise begonnen haben. Mein Kilometerstand lag bei 31200 km, Thomas'.Tacho zeigte 61900 km, d.h. wir sind bereits knapp 13000 km gefahren. 

Jack hat uns von dieser BMW-Ralley in Texas erzählt und wir haben uns entschieden dorthin zu fahren, um bei diesem Ereignis dabei zu sein und neue Leute kennenzulernen. Ausserdem wollten wir nach Texas, was für uns also bedeutete, wir hatten knapp 5 Tage Zeit, um mehr als 1500 km nach Smithville in Texas zu fahren. ... und wir fuhren... von dem Panhandle in Florida über den Highway entlang der Golfküste. Durch Alabama, Missippi und Louisiana nach Texas.

Wir fuhren die meiste Zeit Highways... unglaublich wieviel Verkehr dort teilweise war, vor allem um die grösseren Städte herum. Wir wurden wieder einmal von allen überholt, obwohl wir für unsere Verhältnisse bereits schnell fuhren, aber die riesen Lastwagen überholten uns nicht nur links sondern zur Überraschung eines jeden Motorradfahrers auch noch rechts. Es fühlte sich ein wenig beklemmend an, wenn man versucht, sich gegen den Wind auf der Fahrspur zu halten und dann von beiden Seiten von Lastwagen eingekeilt wird, die einem im Seitenspiegel bei dieser Höhe sicher nicht hundertprozentig sehen. Aber wir fuhren und fuhren und am Donnerstag abend erreichten wir endlich die Staatsgrenze zu Texas. Wir fanden einen nette Platz zum schlafen, nutzen unsere Campingdusche und hatten zwei kleine Kätzchen als Freunde gewonnen, vor denen wir allerdings unser Essen in Sicherheit bringen mussten.

 

Gegen Mittag des nächsten Tages erreichten wir Smithville und wurden herzlich empfangen. Wir waren schliesslich die einzigsten ausländischen Gäste und wurden dementsprechend freundlich und zuvorkommend behandelt. Wir lernten Klaus und Diane sowie Robert und Rade kennen.

 

Während Thomas sich mit Rade über Motorräder unterhielt, versuchte ich mit meinen wenig juristischen englischen Fachbegriffen, Robert unser Rechtssystem zu erklären. Wie es der Zufall wollte, arbeitete Robert ebenfalls in einer Kanzlei in Houston. Klaus war der Organisator der Ralley und fuhr eine der wenigen nicht BMW Motorräder auf diesem Treffen. Er und Diane empfingen uns so herzlich, wir fühlten uns gleich wohl. So vergingen zwei wunderschöne Tage mit viel Informationen über Motorräder, Routen und juristische Spitzfindigkeiten in Texas. Als am Sonntag mittag sich alle auf den Heimweg machten, blieben wir noch eine Nacht länger auf dem Campingplatz. Schliesslich waren wir bereits die ganze Woche unterwegs und würden die nächsten Wochen noch unterwegs sein... wir wollten am Montag morgen weiter Richtung Hill Country fahren. Ein superschöner Teil von Texas, den uns Robert empfohlen hatte.

 

Leider fing es in dieser Nacht wieder mit Regen an und wir verbrachten den ganzen Montag in unserem Zelt, in der Hoffnung, dass das Zelt diesem Regenerguss noch standhielt und es am nächsten Morgen vorbei sein würde. Nach all dem was wir an diesem Wochenende über Texas erfahren haben, war unsere Neugier geweckt und wir hatten uns eine Route für die letzten 4 Wochen unseres Visas für die USA überlegt. Texas nach Tejas benannt, heisst "Freunde", hat viel zu bieten, was man gar nicht so ahnt...so viel abwechslungsreiche und unbekannte Natur und die nächste Richtung war auch schon geplant, McKinsey Waterfalls Park sowie der Enchanted Rock State Park.

 

 

Wunderschöne Plätze und wir genossen jeden Tag in der warmen Sonne zu fahren. Als wir darauffolgenden Donnerstag nach knapp 10 Tagen ohne Anbindung zum Internet in der deutschen Einwanderungsstadt Fredericksburg unsere e-mails checkten, mussten wir mit Schrecken eine e-mail von unserer Familie in Deutschland lesen und haben uns entschlossen, einen Weg zu finden, die Motorräder in den USA zu belassen und für einen Monat wieder in die Heimat zurück zu fliegen. Unglaublich für uns war wieder einmal die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft die uns in diesem Moment von Robert und seiner Freundin Chrystal entgegengebracht wurde. Nach einem längeren Telefonat mit Robert, war nicht nur ein günstiger Flug über einen guten Freund für uns gebucht, sondern wir konnten die Zeit bis zum Abflug ebenfalls bei Robert verbringen und unsere Motorräder für diese Zeit abstellen. Wir fuhren also am Samstag, den 24. Oktober in Richtung Houston. Als wir abends in Spring in der Nähe von Houston ankamen, wurden wir herzlich empfangen und wir verbrachten die Tage bis zum Abflug in Roberts Haus. Ablenkung war alles, so gingen wir mit ihm Schrauben für meine BMW besorgen, denn durch das viele auseinander bauen und abbauen der Verkleidung, waren die BMW Schrauben schon nicht mehr wie sie mal waren. Wir gingen mit ihm Frisbee Golf spielen und verbrachten viel Zeit auf seiner Couch und vor seinem Computer. Durch ihn wurde die Zeit bis zum Abflug mit Bangen und Hoffen ein wenig bunter.

Man weiss in dem Moment gar nicht, was man sagen soll. Wie man ihm danken soll, denn wir haben uns gerade erst ein paar Tage vorher kennengelernt und wir fühlten uns geborgen wie bei langjährigen Freunden. Am Donnerstag abend brachte er uns dann zu Rades Vater. Rade hatten wir ebenfalls beim BMW Treffen kennengelernt. Rades Vater hatte uns angeboten, am Freitag morgen zum Flughafen nach Dallas/Fort Worth zu fahren, was lockere 4 Stunden Fahrt früh morgens um 4.30 Uhr bedeutete. Wir wurden also am Donnerstag abend bei Rades Vater, Steve, zum Essen eingeladen, haben in seinem Haus übernachtet und sind mit ihm am nächsten Morgen zum Flughafen gefahren, und fanden keine Worte, womit man solche Hilfsbereitschaft und scheinbar Selbstverständlichkeit beschreiben kann. Zwar mit betrübten Gedanken über das, was uns in Deutschland erwarten würde, aber auch mit einem wohligen Gefühl, dass wir solchen lieben Menschen begegnen durften, saßen wir in unserem Flieger von Dallas über Philadelphia nach Frankfurt....ungewiss die Frage, dürfen wir in knapp 4 Wochen wieder in die USA einreisen und bekommen wir wieder ein gültiges Visa?