Reisebericht 2: USA der Osten

Iiihhh ….dachte ich als Thomas in den Luftfilter meiner BMW schaute… eine milchig weisse Fluessigkeit war dort drin, die eigentlich gar nicht da sein sollte. Also haben wir die schoene touristische Insel PEI schneller verlassen als gedacht und sind ueber die Confederation Bridge nach New Brunswick (Neu Braunschweig) gefahren. Das verdaechtige rote Laempchen des Kuehlsystems ging nur bei einer Fahrt von 80 km/h aus. Irgendetwas war nicht in Ordnung und wir wussten nicht genau was es war, nur dass die Kuehlfluessigkeit mit dem Oel aus dem Motor zusammengeflossen war und das war kein gutes Zeichen. Der naechste BMW Haendler war in Moncton (New Brunswick) - also nichts wie hin. Am Montag puenktlich zur Oeffnungszeit erschienen wir beim BMW Haendler und erklaerten unser Problem. Einzige Reaktion: "Tja…(langes Atmen) …es koennte die Zylinderkopfdichtung sein, aber momentan sind wir ausgelastet… lasst das Motorrad da und wir fangen vielleicht morgen an….." Mit samt Gepaeck, was normalerweise auf zwei Motorraeder verstaut ist, sollten wir also zum Campingplatz fahren??? Thomas fuhr zuerst mich und ein bischen von meinem Gepaeck dorthin und holte dann den Rest, waehrend ich versuchte, das Zelt aufzustellen. Versuchte, richtig da war doch was…einer der drei Zeltstangen zerbrach beim Versuch ihn in die dafuer vorgesehene Position zu bringen… also hat Thomas kurzerhand beim BMW Haendler um ein Stueck Rohr aus Metall gebeten und wir konnten die Stange notduerftig flicken. Die weiteren zwei Wochen verliefen ruhig, wir warteten und warteten auf die Reparatur der BMW. Die Zylinderkopfdichtung wurde ausgetauscht, der Zylinder wurde extern plan geschliffen und die BMW wieder zusammengebaut. Steve, der Mechaniker wollte eine Probefahrt machen und warum auch immer die Maschine lief kurz an, beim zweiten Startversuch ging nichts mehr. Keine Ahnung warum, aber sie lief nicht, und nicht nur ich stand voellig ahnungslos da, sondern leider unser Mechaniker auch…Eine neue Eigenschaft, die wir uns angeeignet haben ist geduldig zu sein… also warteten wir und warteten und das super Diagnosegeraet von BMW sagte unserem Steve, dass die CDI kaputt waere. Die CDI ist eigentlich nichts anderes als das elektronische Steuergeraet fuer den Einspritzmotor der BMW und sagt ihm wieviel Gas-Benzinggemisch hineingespritzt werden soll, damit er ordentlich anspringt und laeuft. Also ein sehr sehr wichtiger Bestandteil meines Motorrades.

Als wir den Preis fuer eine neue CDI hoerten, blieb uns fast die Luft weg, wollten wir doch eigentlich fuer dieses Geld reisen und nicht fuer eine Reparatur ausgeben. Die CDI musste zudem aus Deutschland bestellt werden, so dass wir noch eine Woche in Moncton verbringen mussten. Nicht, dass uns eine Pause nicht gut tat, aber in Erwartung einer hohen Rechnung konnten wir diese Zeit nicht wirklich geniessen. Jeden Tag kamen neue Camper auf dem Zeltplatz und wir sahen sie das Zelt aufbauen und am naechsten oder uebernaechsten Tag wieder abbauen. Ich wollte auch weiterfahren, den Wind und die frische Luft durch meinen Helm spueren und einfach nur Motorrad fahren! Die letzten Tage in Moncton wurden uns versuesst durch Harry Potter Filme, interessante Gespraeche und Pancakes von Kathie und Herold in ihrem super warmen Camper. Endlich …Ich konnte es nicht glauben, wir waren auf dem Weg und die BMW fuhr.

Ja sie fuhr und das verdaechtige rote Laempchen leuchtete nicht auf. Ich fuehlte mich endlich wieder frei und bei den Liedern von Peter Gabriel aus meinem MP3 Player genoss ich jeden gefahrenen Kilometer auf dem Highway. Wir wollten auf dem schnellsten Weg nach Sueden, in die USA einreisen. Beim Stopp kurz vor der Grenze (300 km suedlich von Moncton) qualmte es. Erst hab ich gar nicht gewusst, was falsch ist, aber auf der linken Seite meiner BMW qualmte es und es roch nach verbranntem Oel. Alles wieder auseinanderbauen, Gepaeck abbauen und nachschauen… bei der naechsten Campmoeglichkeit dasselbe Spiel wieder, denn eine halbe Stunde am Highway herumschrauben hatte uns gereicht. Zurueck fahren nach Moncton? Ich war nicht wirklich davon ueberzeugt, dass unser Steve herausfinden wuerde, was genau defekt war und es wuerde sicher wieder eine Unmenge an Geld kosten, also entschlossen wir uns weiter zu fahren und das Problem zu beobachten. Am Dienstag, den 28.08.2007 war es soweit. Wir fuhren ueber die Grenze in die Vereinigten Staaten. Was wuerden wir denen erzaehlen, was waere am kluegsten damit wir auch ein Visum fuer drei Monate erhielten? Sollten wir unsere Motorraeder nochmal putzen? Haben wir alle Lebensmittel aufgebraucht??? Fragen ueber Fragen waren in unseren Koepfen, in Thomas mehr als in meinem, denn ich dachte nur: >ohje mit meinen oelverschmierten Klamotten und Motorrad darf ich nicht rein…< … es war eine gewisse Anspannung zu spueren. Ich wusste nicht was mich erwartet, also machte ich mir gar keine Vorstellungen, von dem was passieren koennte und liess alles auf mich zukommen. Im Schritttempo fuhren wir zum Grenzbeamten. Wir folgten der Aufforderung ins Buero und dort gaben wir brav unsere Fingerabdruecke ab, liessen uns ablichten und erklaerten kurz, dass wir auf dem Weg nach Mexiko sind und dies mit unseren eigenen Motorraedern, womit wir bereits durch die Kuestenregion von Kanada gefahren sind. Gebuehr bezahlen und innerhalb von 15 Minuten waren wir wieder raus. Mit einem Visum fuer 3 Monate sassen wir auch schon wieder auf unseren Motorraedern. Die ganzen Gedanken vorher waren unnoetig, aber man weiss ja nie… vielleicht hatten wir dieses mal einfach nur Glueck, da wir doch mit der BMW so viel Pech hatten. Egal, wir waren in den Vereinigten Staaten, was man daran erkannte, dass die ersten Strassen nicht mehr normalen Strassen glich, sondern eher einer Werbemile fuer Amerika. Wir waren umzaeumt von Fahnen der Vereinigten Staaten. Die Nadelwaelder aus Kanada wurden zu einem Misch aus Laub- und Nadelbaeumen und tauschten ihre Farbe von gruen zu gelb, einige in rotbraun. Herrlich, die Sonne schien und wir fuhren im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten in dem erst beginnenden Indian Summer. Unser Weg fuehrte uns zum Acadia National Park, da ein wildcampen an der Kueste wieder einmal unmoeglich war, alles privater Besitz. Der Acadia National Park ist der einzigste Nationalpark in Neuengland - eine urspruengliche, wilde Kuestenlandschaft mit Bergen, Klippen, Seen und Straenden - wunderschoen. Von dort ging es Richtung White Mountains National Forest. In einer kleinen Stadt genannt Kingsfield in Maine regnete es und unser Zelt war nicht mehr dicht…als wir die nette Dame vom Campground fragten, ob wir ihren Kocher nutzen duerften und uns im Trockenen aufhalten. Ich weiss nicht, ob es daran lag, dass wir voellig durchgenaesst waren oder ich einfach nur grimmig guckte, aber scheinbar hatte sie Mitleid mit uns und wir durften fuer diese Nacht in eine Huette, hier Cabin genannt. Wir freuten uns, denn am naechsten Tag das nasse Zelt einpacken waere nicht so angenehm. Statt dessen hatten wir unsere eigene Huette mit Bad, Herd, Bett und Fernseher!

Wir bedankten uns am naechsten morgen und fuhren weiter eine kurvenreiche Strasse entlang einiger schoener Seen nach New Hampshire.

Durch Berlin und Woodstock auf der Route 16 in den White Mountain National Forest. Es war eine interessante und zum Motorradfahren sehr angenehme Strecke, waere da nicht der andauernde Nieselregen gewesen, der sich je spaeter es wurde verstaerkte. Unsere Motorradkleidung, so wasserabweisend sie auch sein mag, 4 Stunden fahren im Dauerregen haelt auch jede Regenkombi nicht durch. Voellig fertig von der Fahrt fanden wir den letzten freien Platz auf einem der vielen Campingplaetze im National Forest, der noch nicht fuer einen Amerikaner reserviert war. Was fuer einen Traveller nicht vorstellbar ist, dass man fuer einen Platz Reservierungen machen muss, um fuer teures Geld zu naechtigen, aber wir haben ein langes Wochenende hier erlebt. Labor Day ist einer der wenigen Feiertage in den Vereinigten Staaten und scheinbar halb Amerika ist an diesem Wochenende mit Wohnmobil, Camper oder ganz banal mit Zelt unterwegs und die Parks und Campingplaetze sind ueberfuellt. Als wir die Grenze vom Bundesstaat Vermont hinter uns gelassen hatten, tropfte es an der linken Motorseite meiner BMW immer noch. Nicht sehr viel, aber mein linkes Hosenbein sah langsam aus, als waere ich ein richtiger Mechaniker und wuerde den ganzen Tag unter dem Motorrad liegen. Leider war weit und breit kein BMW Haendler in Sicht, so dass am Abend Thomas wieder versuchte, das Leck zu finden, indem er alle Verkleidungsteile soweit abbaute, bis mein Motorrad wieder nackt war. Es half nichts, wir konnten zwar feststellen, dass die Zylinderkopfdichtung am hinteren linken Ende tropfte, aber was haetten wir selbst ohne Werkstatt tun koennen, es sah so aus, als ob die Dichtung sich wieder verabschiedet hatte und wir mussten nun zu einer Werkstatt.

Ueber die Green Mountains fuhren wir in den Bundesstaat New York.

Es war an diesem Morgen bitterkalt, als wir um 8.00 Uhr den Highway Richtung Albany fuhren, denn da sollte unser naechster BMW Haendler sein. Es gab dort auch einen in Troy der Vorstadt von Albany, doch es war Sonntag und vor Dienstag wuerden wir niemanden dort antreffen, es war ja langes freies Wochenende. Es wurde immer kuehler und ich wollte einfach nur noch gen Sueden fahren, also haben wir beschlossen soweit moeglich gen Sueden zu fahren, bis zur naechsten Werkstatt, die auf dem Weg liegen sollte. Die Fahrt entlang des Hudson Rivers war weniger spektakulaer als gedacht, gemuetliche Kurven und etwas Wasser, was als beruehmter Hudson River bekannt wurde.

Die Catskill Mountains, welche wir danach ansteuerten, waren viel beeindruckender. Wunderschone Schluchten am Strassenrand, schoene kurvenreiche Strassen und niedliche kleine Doerfer. Dort befindet sich auch ein Dorf namens Woodstock, ja dieses mal ist auch wirklich dieses Woodstock gemeint, was viele nicht wissen ist, dass das eigentliche Spektakel damals nicht direkt in Woodstock stattfand, sondern mehrere Kilometer weiter suedlich ???? Woodstock selbst scheint die Hippyzeit wieder hervorrufen zu wollen. Diese kleine beschauliche Stadt ist voll von kleinen Laeden mit Peace T-Shirts, Love Zeichen und langhaarigen schraegen Typen, die Musik spielen den ganzen Tag.

Entlang der Delaware Water Gap National Recreation Area

fuhren wir eine gemuetliche Strecke in Pennsylvania, bis wir in Skippendale, in der Naehe des Evansburg State Park auf deutsch angesprochen wurden. Hugh, der mit dem Militaer in den 60er Jahren in Deutschland war, half uns den Eingang zum Park zu finden und lud uns zu sich nach Hause ein. Der Park war um 17.30 Uhr, als wir dort ankamen, bereits geschlossen. Kurzerhand haben wir seinen Garten mit Swimmingpool zu unserem gemacht und unser Zelt aufgestellt. Nach einem super interessanten Abend mit ihm und seiner Frau Sandy inklusive einer Sightseeingtour durch Philadelphia bei Nacht fuhren wir am naechsten morgen mit ihm zu Joe, einer BMW Werkstatt.

Da er jedoch kein richtiger BMW Haendler war, konnte er uns zu diesem Zeitpunkt auch nicht helfen und wir fuhren mit der immer noch Oel verlierenden BMW weiter nach Maryland zu Bob's BMW Werkstatt in Jessup (in der Naehe von Baltimore). Wieviel wird diese Reparatur wieder kosten, waren meine einzigen Gedanken waehrend der gesamten Fahrt dorthin.Wie lange wird das dauern und wo sollen wir wieder schlafen? Gedanken, die im nachhinein unnoetig waren. Ich haette es wie an der Grenze zu den Vereinigten Staaten machen sollen, einfach abwarten und sehen was kommt… aber nach den letzten Tagen, von einem BMW Haendler zum naechsten und niemand hatte wirklich eine positive Antwort fuer uns, war ich etwas niedergeschlagen und wollte mir keine Hoffnung machen. Kurz vor Feierabend fuhren wir auf das Werksgelaende von Bob's BMW. Mittlerweile hatten uns zwei Leute diese Werkstatt empfohlen, also war ich gespannt und wurde gleich zu Anfang ueberrascht. Wir wurden sowohl vom General Manager als auch von Bob persoenlich begruesst und wir durften auf der Wiese hinter der Werkstatt unser Zelt aufbauen.

Alle waren zuvorkommend, hilfsbereit und neugierig. Karl, ein Mitarbeiter von Bob's hat seinem Bekannten Yermo eine e-mail geschrieben, dass zwei Deutsche in Maryland angekommen sind, die mit den Motorraedern von Kanada nach Mexiko fahren wollen. 10 Minuten spaeter stand er vor uns mit seinem Telefon, Yermo hatte uns zu sich eingeladen. Da wir aber zu muede waren um noch irgendwohin zu fahren, schliefen wir in unserem Zelt hinter der Werkstatt. Trotz des Laerms des Highways waren wir froh, am naechsten morgen dort wieder alles zusammenzupacken, frischen Kaffee zu trinken und dem Mechaniker Steve (ja wieder ein Steve) ueber die Schulter schauen zu duerfen. Wir hatten ein super interessantes Gespraech mit Rick, dem General Manager und fuehlten uns am richtigen Ort, wohlbehalten und hatten das Gefuehl willkommen zu sein. Unvorstellbar, aber die BMW brauchte keine neue Zylinderkopfdichtung, sondern lediglich eine Schraube und eine kleine Dichtung am hinteren Teil des Zylinder war defekt und innerhalb von 2 Stunden war die ganze Sache repariert. Dank des Einsatzes von Rick zahlte diese Rechnung BMW in Moncton.

Wir konnten eine Pause vertragen also riefen wir Yermo an und die Einladung stand noch.

Im Gaestezimmer stand uns ein eigenes Bett zur Verfuegung. Wir wurden zu einem richtigen amerikanischen Steak eingeladen und nahmen einen Drink mit einer Freundin von ihm, Dana, in einer Piratenkneipe. Ein gemuetlicher Freitagabend, waren wir wirklich in einem anderen Land?