Reisebericht 1: Kanada der Osten

Die Atlantik Provincen sind bekannt dafuer, dass das Wetter unbestaendig ist, aber ich dachte in meinem jugendlichen Leichtsinn, wenn wir mit unseren Motorraedern durch diese Gegend fahren, wird die Sonne schon scheinen und der Wind sich in normalen Windstaerken messen lassen. Die erste Erfahrung, die ich also machte, war, dass alles anders kommt als man denkt und die Karten des Lebens jeden Tag neu gemischt werden. Mit Hilfe von Chris, unserem hilfsbereiten Ansprechpartner des Warehouses, in dem unsere Motorraeder angeliefert werden sollten, konnten wir die Kisten wohlbehalten in Empfang nehmen und auf dem Hinterhof auseinanderbauen, die Motorraeder zusammenbauen und unser Gepaeck packen.

Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir in Richtung suedliche Kueste von Nova Scotia los. Als eine der vier Atlantik Provincen bietet Nova Scotia viele Motorradstrassen fuer Ausfluege. Am zweiten Tag auf dem Motorrad kam der Regen und er blieb… Eigentlich ist die Bucht, in der wir uebernachteten bekannt dafuer, dass man bei Sonnenschein die Kueste mit weissem Sandstrand entlangfahren kann, aber wir sahen nur die Ebbe mit grauem Wolkenhimmel. In der Hoffnung auf Wetterbesserung auf der Westseite von Nova Scotia fuhren wir am naechsten Tag in Richtung Digby in der Bay of Fundy. Digby ist ein niedliches 1783 gegruendetes Fischerdorf und ein populaerer Sommerferienort, doch auch hier wurden wir von dichtem Nebel und Nieselregen empfangen.

Trotz des schlechten Wetters sind die Leute immer gut drauf, so scheint es uns zumindest. Immer wieder werden wir auf die Kennzeichen angesprochen, woher wir kaemen und was wir alles anschauen woellten. Dies und jenes muessten wir unbedingt anschauen. Vor allem von Neufundland und den Menschen dort, schwaermte man uns vor, also beschlossen wir, uns frueher als geplant auf den Weg in Richtung Neufundland zu begeben und siehe da, das Wetter wurde besser. Wir fuhren die Westkueste von Nova Scotia nach Cape Breton. Im bekannten Cape Breton National Park erhofften wir endlich die Moose zu sehen, von denen uns immer wieder berichtet wird. Wir fahren auf endloslangen Strassen und spueren den Wind um uns herum, es duftet nach frischem Nadelgehoelz, welches die Strassen umringt und weit und breit zu sehen ist… und wir wissen, warum wir mit den Motorraedern fahren und nicht in einem Camper. Aber leider kein Moose zu sehen… Schilder warnen vor kreuzenden Moose, doch sie haben sich vor uns versteckt. Als wir in Sydney ein Ticket fuer die Faehre nach Neufundland kaufen wollen, sagt uns die nette Dame am Schalter, dass bis Ende Juli, Anfang August diese ausgebucht sei, wohlgemerkt es war der 23. Juli, und wir nur die Chance haben mit einem Standby-Ticket in einer langen Schlange mit anderen Autos zu warten und zu hoffen, dass die Faehre um 2.00 Uhr nachts uns mitnehmen wuerde. Also anstehen und in Geduld ueben. Die knapp 6 Stunden bis zur Abfahrt vergingen allerdings sehr schnell, da wir in Miles, einem 60 jaehrigen Motorradfahrer aus British Columbia, der eine Honda Goldwing Baujahr 1978 fuhr, einen interessanten und lustigen Gespraechspartner gefunden hatten. Bei ein paar canadischen Bier erfuhren wir zudem einiges ueber canadische Oelmienenarbeiter und alte und neue Motorraeder… und wir hatten Glueck. Die Faehre nahm uns alle mit, auch die riesen Wohnhaeuser der Canadier samt der angehaengten PKW's. Das Wetter sollte uns jedoch wieder einmal einen Strich durch die Rechnung machen. Denn als wir voller Erwartung Neufundland in Port-aux-Basque erreichten, kam zugleich der Regen. Die Freundlichkeit der Menschen in dieser Province von Kanada, von der uns berichtet wurde, ueberraschte uns gleich am ersten Tag. Wir fuhren auf den Seitenstreifen und ueberlegten, wo wir genau lang fahren sollten, als ein Autofahrer anhielt und uns fragte, ob wir Hilfe benoetigten und Probleme haetten… Unglaublich, machten wir schon den ersten Tag auf Neufundland den Eindruck, dass wir Hilfe benoetigten oder ist das normal? Es sollte sich herausstellen, dass dies in Neufundland eine besondere Eigenart der Menschen ist und dies trotz der unbestaendigen Wetterbedingungen gerade den besonderen Reiz dieser Insel ausmacht…. Und natuerlich die Moose. Insgesamt 110000 Moose soll es auf Neufundland geben, davon einige im Gros Morne National Park, aber wir haben auch dort leider keine gesehen, ausser aus Plastik. Aber ich muss dazu erwaehnen, dass wir nicht in den fruehen Morgenstunden noch in den Abendstunden mit den Motorraedern unterwegs sind und dies scheinbar die aktivere Zeit fuer Moose ist.

Um so mehr waren wir von dem grossen Iceberg in Twillingate beeindruckt.

Die noerdliche Kueste von Neufundland, bekannt fuer Whalewatching und Iceberge, bot uns tatsaechlich den Anblick eines 10000 Jahre alten Icebergs, der die Kueste von Groenland kommend entlangdriftete. Ein Sonnenuntergang war fuer uns diesmal inklusive.

In Neufundland gibt es noch viele Plaetze, die "governmental land" und nicht im privaten Besitz sind, so dass wir ein paar schoene Uebernachtungsplatze in freier Natur finden konnten.

Die Fahrt auf einige dieser Plaetze ist jedoch mit einer hier weit verbreiteten Harley oder Goldwing nicht zu fahren und mich hat's auch gleich vom Motorrad geworfen. Die Unbestaendigkeit des Wetters verfolgte uns, man koennte meinen, wir fahren genau in das schlechte Wetter hinein, anstatt in die Sonne. Als wir nach 2 Tagen Regen an der Tankstelle von dem Hurrikan erfuhren, der gerade an der Ostkueste wuetete, waren wir fast davon ueberzeugt. Aber dies hielt uns dennoch nicht davon ab, weiter zu fahren. Wir wollten nach Argentia zur naechsten Faehre zurueck nach Nova Scotia. Die Strassen waren jedoch wegen Ueberflutung und Unterspuelung gesperrt.

Das Schicksal wollte, dass wir also weiter auf der Insel bleiben und wir fuhren zur naechsten Tankstelle. Wir trafen auf Peter, einem 71 jaehrigen Motorradfahrer aus Vancouver, der gerade mit seiner BMW F 650 GS quer durch Kanada gefahren ist. Beim Kaffee im Trockenen erfuhren wir, dass er im Herbst nach Sueden - Feuerland - unterwegs sein will. Ob ich mit 71 noch so mit dem Motorrad unterwegs bin? Mir fehlten die Worte .. Peter riet uns nach St. John weiter zu fahren, da der Hurrikan nun vorueber sei und wir fuhren. In St. John empfing uns dann die Sonne. Nach 3 Tagen Regen war das eine angenehme Begruessung. St. John bleibt uns der Supermarkt sicherlich in Erinnerung, denn hierzu gibts eine kleine Anekdote. Wir fuhren gerade auf dem Supermarkt und wollten unser Abendessen besorgen, als eine Frau auf uns zugerannt kam, ja foermlich zugerannt. Woher wir kaemen und wohin wir fuhren. Sie faende es toll, mit dem Motorrad zu reisen…sie sprach so schnell, dass Thomas und ich kaum Zeit blieb, alles zu verstehen und auf alle Fragen zu antworten. Ihr Ehemann erklaerte uns dann, dass man in Kanada 5 Jahre auf 80% Gehalt 100% arbeiten kann und dann 1 Jahr bezahlten Urlaub nehmen kann und sie wuerden ebenfalls viel reisen. Nach etwa 15 Minuten sind wir in den Supermarkt gelangt und jeder ging seine Wege, so dachte ich. Doch die gute Frau kam ein paar Minuten spaeter mit Jam Jams fuer uns an, sie hatte sie zuvor fuer uns gekauft und brachte sie uns mit den Worten:"You never leave Newfoundland without tasting Jam Jams. Have a nice trip." Eine uns wildfremde Frau kaufte uns Keckse…!!!

(Cape Spear -oestlichste Punkt von Kanada)

Ueberrascht von so viel Herzlichkeit fuhren wir am naechsten Tag gen Sueden von Avalon (Ostkueste von Neufundland). Im Chance Cove Provincial Park wurden wir erneut von der Gastfreundlichkeit der Neufundlaender ueberwaeltigt. Nachdem Thomas' Kupplungszug gerissen war und wir ihn vor dem Eingang vom Park reparierten, fuhren wir die 6 km lange Schotterpiste zum Campground. Dort trafen wir auf Warren und Jody. Von ihnen erfuhren wir einiges ueber das Leben in Neufundland und tranken typischen Screech (eine Art Rum) und Iceberg Vodka, gebraut aus 10000 Jahre altem Wasser.

Als am zweiten Abend Warren Thomas fragte, ob er etwas Barbecue moechte, bekamen wir ein super Menu gekocht, frisch gebratene Steacks mit Kartoffeln und Pilzen. Warren hat sich tatsaechlich ne halbe Stunde hingestellt und extra fuer uns ein Abendessen zubereitet, uns in seinen Camper gesetzt und Bier ausgeschenkt. Wo erlebt man so eine Gastfreundlichkeit noch? - In Neufundland !!! Als wir am naechsten Morgen frueh in Richtung Argentia zur Faehre aufbrachen, gaben uns Warren und Jody fuer die Reise noch eine Notfallbeleuchtung mit Instruktionen hierfuer mit. Wir kamen uns vor wie zu Hause, gebt gut Acht auf euch. Zu Hause in einem fremden Land…. 14 Stunden Fahrt mit der Faehre brachte uns in ein verregnetes Nova Scotia zurueck. Thomas musste seine Honda reparieren lassen und wir hatten einen neuen Reisebegleiter fuer die naechsten 3 Tage. John aus Alberta (Westkanada).

Mit ihm verbrachten wir eine tolle Zeit am Lagerfeuer, beim Pizzaessen, tratschen und Motorradfahren. Auf der Prince Edward Island verabschiedeten wir uns voneinander, da er doch noch eine Pokerpartie in der Stadt einlegen wollte. Wir hingegen genossen 2 Tage Sonnenschein auf PEI und fuhren von der Insel der Farmer mit den angeblich besten Straenden in dieser Region ueber die 12 km lange Confederation Bridge nach New Brunswick.

Trotz des Regen eine unglaublich Zeit, die ersten 4 Wochen unserer Reise.